Warum Buchempfehlungen nicht nerven (Kolumne)

britannicaMeinungen sind individuell und vielfältig, daher nie richtig oder falsch. Eine Meinung ist eben eine Meinung. Eine solche vertritt Poppy J. Anderson in ihrer aktuellen Kolumne bei den Kollegen von lesen.net: „Buchmarketing muss nicht nervend sein“. Sie beschreibt, dass viele Autoren wie Lautsprecher für ihr neues Buch werben, wo immer es auch geht. Ja, das ist richtig, die sozialen Medien laden dazu ein, mal eben hier und da zu verkünden, dass es ein neues Buch gibt – und dieses Informieren ist Pflicht für den Autor, denn ein Buch kann noch so gut sein, niemand wird es lesen, der nichts davon weiß.

Wer aber in der Buchbranche arbeitet oder sich auch einfach für Bücher interessiert, wird zunehmend mit Empfehlungen zugeschüttet und jeder Feiertag muss als Anlass für Buchtipps herhalten. Nicht selten bekommt man die Nachricht auch doppelt und dreifach, da sie in unterschiedlichen Gruppen gepostet wird. Das nervt, so Frau Andersons Meinung, mit der sie sicher nicht alleine dasteht. Und in einer Sache muss ich ihr auch recht geben: Die Werbefläche, die sich andere aufgebaut haben (z. B. eine Facebook-Seite), für die eigene Produktion zu nutzen, ist unkollegial und schlechter Stil.

Aber sind wir ansonsten nicht alle mündige Menschen? Ja, Werbung muss flach und aggressiv sein, sonst erreicht sie uns nicht. Doch es liegt an mir, ob ich mich damit beschäftige oder nicht, also ob sie mich nervt oder nicht. Mit Büchern beschäftige ich mich gerne. Also beschäftige ich mich auch mit Buchwerbung gerne. Warum ich auch Werbung für Thrombosestrumpfhosen bekomme, mag ich nicht analysieren, aber die ignoriere ich einfach. Buchtipps nicht. Selbst wenn es 50 pro Tag sind und alle lauten: „Ein Lesetipp zu Ostern“. Ich will lesen, das macht mir Spaß, das entspannt mich, das fordert mich heraus. Ich bin auf der Suche nach neuen Büchern, ich will neue Welten entdecken. Klar habe ich nicht immer die Zeit, mich auf jeden Buchtipp einzulassen. Aber wie schon gesagt, ich sehe mich als mündigen Menschen, der selbst entscheidet, wann er die Zeit dafür hat und wann nicht.

Daher: Bitte schickt mir weiterhin Buchtipps – zu Ostern, zum Wochenende, zu den Ferien. Wenn ich sie nicht lesen will, werde ich es nicht tun.

Übrigens: Ich mag besonders Britisches, Sci-Fi und Viktorianisches.

Ein Gedanke zu „Warum Buchempfehlungen nicht nerven (Kolumne)“

  1. Liebe Miss Eyre, du musst unterscheiden zwischen bezahlter Werbung und Rezensionen (also aus Autoren und Verlegersicht PR). Das eine sind bezahlte oder per Algorithmen generierte Tipps von Amazon & Co, die in der Tat manchmal sehr penetrant daher kommen. Das andere sind – im besten Fall – redaktionell aufbereitete Empfehlungen (und in der Praxis häufig leider nur der abgeschriebene Klappentext). Gute Rezensionen nerven niemanden, kosten aber den Schreiber viel Zeit und sind daher selten geworden.

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