Bunt statt Braun – Autorin Kathrin Lange bezieht Stellung

Buttons_HoheneggelsenGerne stelle ich ja auch immer wieder neue Projekte aus der Buchbranche und ihre Macher vor, in der Regel neue Ideen rund um das Thema Lesen, Buch und Technik. So auch dieses Mal, wobei das Thema aber abweicht, da ich hiermit den Hut von der Autorin und Initiatorin von „Hoheneggelsen ist bunt, nicht brau“ ziehen will.

Kathrin Lange (http://www.kathrin-lange.de) lebt in dem Ort Hoheneggelsen in der Nähe von Hildesheim. Sie schreibt Thriller und Jugendbücher. Ein zentrales Thema ihrer Thriller sind religiös motivierte Verbrechen, ihr Kommissar Faris Iskander ist Muslim und ermittelt in Berlin. In Hoheneggelsen gibt es ein Flüchtlingsheim. Wodurch der Ort es im August diesen Jahres mit leider bedauerlichen Neuigkeiten in die Fernsehnachrichten geschafft hat. Die Partei „Die Rechte“ hatte angekündigt, regelmäßig in Hoheneggelsen zu „patrouillieren“, um „für Ordnung und Sicherheit zu sorgen“.

Kathrin Lange reagierte umgehend, als Erstes mit der Facebook-Seite „Hoheneggelsen ist bunt, nicht braun“ (https://www.facebook.com/hoheneggelsenistbuntnichtbraun1), die innerhalb der ersten sieben Tage 500 Fans erreichen konnte. „Ich habe die Seite ins Leben gerufen, weil ich es einfach nicht fassen konnte, was in den Tagen zuvor vor dem Flüchtlingsheim in unserem Dorf passiert ist“, sagt Initiatorin Kathrin Lange, die die Aktion zusammen mit ihrem Sohn Tim durchführt. „Überall im Land formieren sich Mahnwachen und Lichterketten, sobald wieder einmal ein Flüchtlingsheim in Flammen aufgegangen ist. Ich hoffe, dass ich in einem Dorf lebe, in dem die Bürger sich klar gegen Rassismus und Gewalt stellen, bevor etwas passiert.“

Mittlerweile hat Lange weitere Unterstützer für sich gewinnen können: „Hoheneggelser Geschäftsleute haben uns sofort ihre Hilfe angeboten, wir bekommen Hilfestellung und Aufmunterung von der evangelischen Kirche und aus Richtungen, mit denen wir ehrlicherweise zunächst überhaupt nicht gerechnet haben.“

Überraschungen gab es allerdings auch mit umgekehrtem Vorzeichen, und genau das ist es, was Lange umtreibt: „In Gesprächen der letzten Tage habe ich mehrfach diesen einen, unsäglichen Satz zu hören bekommen: ,Ich bin ja kein Rassist, aber …‘“, sagte Lange. Und sie fährt fort: „Ich glaube, dass viele Ängste und die meisten Vorurteile der Menschen gegen die Flüchtlinge einfach daraus resultieren, dass sie keinen Kontakt mit ihnen haben. Sie wissen nicht, was diesen Menschen Schlimmes geschehen ist, sehen nur die Bilder in den Medien, und die können einem ja auch Angst machen.“ Um dieser diffusen Angst etwas entgegenzusetzen, führt Lange gerade Gespräche in viele Richtungen. Außerdem unterrichtet sie Flüchtlinge in deutscher Sprache und Kultur.
Mittlerweile hat sich übrigens auch der Schulleiter der Oberschule aus dem benachbarten Söhlde zu Wort gemeldet und sich ebenfalls klar gegen Rechts positioniert. Zusammen mit ihm und dem Kollegium plant Lange weitere Aktionen und möchte dafür auch Autorenkolleginnen und -Kollegen zu Lesungen oder Podiumsdiskussionen einladen.

Dieses Engagement verdient Respekt. Und es ist eine von vielen Aktionen aus der Buchbranche heraus zur Unterstützung der ankommenden Flüchtlinge. Ich freue mich über jede Einzelne. Deutschland ist eines der reichsten und politisch stabilsten Länder der Welt, wer, wenn nicht wir kann, helfen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.