Die unbegrenzte Auswahl: EBook-Flatrates

ebookreaderEs soll Menschen geben, die träumen davon, nachts einmal in einer Bibliothek oder einem Buchladen eingeschlossen zu werden. Ich muss gestehen, ich gehöre dazu, am besten in einen Buchladen mit Café und Confiserie.

Ebendieser Wunschvorstellung kommen E-Book-Flatrates entgegen. So viele Bücher, wie man nur lesen kann, einfach auf Knopfdruck. Flatrates – ein Service, der bei Musik, Hörbüchern und Filmen schon seit Langem angeboten wird, nur bei Büchern ist er noch nicht selbstverständlich.

Angebote in der Richtung gibt es allerdings in Deutschland schon, wie amazon Prime, wo aber nur ein Buch pro Monat kostenlos ausgeliehen werden darf. Dann natürlich die Online-Leihe der Stadtbibliotheken, d. h. als Nutzer einer an das System angeschlossenen Stadtbibliothek kann man EBooks ausleihen – falls diese nicht gerade von jemand anderem ausgeliehen sind, was den Spaß an der Sache deutlich verringert, da die interessanten Bücher leider meist schon verliehen sind. Ohne diese Restriktion kommt Skoobe aus (www.skoobe.de – „skoobe“ heißt „EBooks“, spiegelverkehrt geschrieben), eine erste klassische EBook-Flatrate, bei der monatlich unbegrenzt viele Bücher ausgeliehen werden können, allerdings immer nur fünf auf einmal.

Komplett kostenlos ist das Lesen von EBooks bei Readfy (www.readfy.com), insofern man sich nicht an der Werbung stört, die das Projekt finanziert. Ebenfalls kostenlos, dafür aber in der Auswahl auf gemeinfreie Klassiker beschränkt, das Projekt Gutenberg (http://gutenberg.spiegel.de/).

Und nun meldet sich Bastei Lübbe, der Verlag von Ken Follet, Dan Brown und Romanheft-Serien zu Wort. Auch dort möchte man eine Flatrate für E-Books ins Leben rufen, und zwar soll das EBook-Portal beam-ebooks.de dazu umgebaut werden. Denn, so die Vermutung, gerade für die Übertragung des Heftroman-Konzepts, welches den Verlag nach seiner Gründung groß gemacht hat, in die digitale Welt, ist eine Flatrate geradezu verpflichtend. Und auf beam eBooks wird es nicht nur das EBook, sondern auch gleich das Hörbuch als Flatrate geben. Geplant ist der Start für das Jahr 2016, zunächst einmal mit deutschen und englischen Inhalten, im Jahr 2017 kommen spanische Texte und 2018 Mandarin hinzu. Die ganze Welt auf einen Knopfdruck und die neuste Folge der Lieblingsserie zum Download.

Klingt verlockend, und das sind die derzeitigen Modelle für den Leser auch. Positiv ist also, dass solche Flatrates gefragt sind und es tatsächlich noch Menschen gibt, die davon träumen, mit unendlich vielen Büchern ihre Zeit zu verbringen. Weniger schön wird das Modell aber, wenn wir uns ansehen, was bei den Autoren finanziell hängen bleibt. Das kann sich jeder selbst ausrechnen, wenn er beispielsweise eine Flatrate für unter 10 Euro im Monat bucht und dafür fünf Bücher ausleiht, für die er beim Kauf insgesamt 50 Euro bezahlt hätte. Die Musikindustrie hat die Entwicklung ja bereits vorweggenommen – es wird eine winzige Elite gut bezahlter Autoren geben, deren Bücher nicht nur ausgeliehen, sondern auch gekauft werden. Und es wird viele, viele Autoren geben, für die das Schreiben eine Nebentätigkeit bleiben muss, unabhängig von ihrem Talent. Eigentlich war das die Situation, die man vermeiden wollte, als man sich das Urheberrecht ausdachte. Dies ist zwar weiterhin in Kraft, doch es hat nicht dazu geführt, dass das Produzieren von Kunst wie Arbeit bezahlt wird – leider!

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