Ich weiß, was du wissen willst: Empfehlungsalgorithmen für Texte

Empfehlung Das Internet vernetzt Menschen, ja, richtig. Das Internet stellt das Wissen der Welt zur Verfügung, auch richtig. Aber sind wir doch ehrlich: Am häufigsten wird das Internet zur Suche nach Katzenbildern oder in meinem Fall Hundebildern genutzt. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit man damit verbringen kann – natürlich besonders, wenn man eigentlich etwas anderes tun sollte.

Doch angenommen, die „Arbeit“ des Surfens wird einem abgenommen und man bekommt auf einer Seite gesammelte Hundebilder präsentiert – und dazu noch die besten Hundezeitschriften und die besten Hundeschulen und die schönsten Hundeurlaubsbilder und und und … All das, ohne sich durch störende Werbung oder andere Themen ablenken zu lassen. Natürlich wurde diese Idee bereits umgesetzt, mehrfach sogar, z. B. von Medium (www.medium.com) oder Prismatic (www.getprismatic.com). Die Portale funktionieren wie Facebook mit amazon-Empfehlungen für Texte aus dem Internet. Man gibt seine Interessengebiete ein, beispielsweise „digitales Publizieren“, und erhält entsprechende Empfehlungen. Technisch funktioniert das über die Verschlagwortung der Texte bzw. über ausgeklügelte textbasierte Such- und Empfehlungsalgorithmen.

Das bedeutet, ich muss in Zukunft nicht einmal mehr nach dem suchen, was mich interessiert, mein Info-Portal weiß das schon. Eine Vorstellung, die wie immer sowohl positive als auch negative Aspekte hat. Natürlich entgehen einem auf diese Weise wichtige Informationen nicht mehr, und wenn der Algorithmus gut ist, wovon wir jetzt einfach mal ausgehen, werden auch artverwandte Themen berücksichtigt. Doch komplett Fachfremdes kommt nicht in die Auswahl – die Erweiterung des Horizonts muss also mit anderen Mitteln erfolgen.

„Suchen ist nicht mehr nötig. Das, was interessiert, wurde schon gefunden.“

Was bedeutet das aber für Literatur jenseits des Fachlichen? Natürlich kann auch die auf den Portalen vorgestellt werden. Und sie kann immer präziser die Zielgruppe erreichen, da genauer bekannt ist, welche Interessengebiete gefragt sind. Wäre das möglicherweise die Bestsellerformel? Der Autor sucht nach den am häufigsten angegebenen Interessen und schreibt seinen Roman zielgenau auf diese Schlagworte zu, um so eine maximal große Leserschaft zu erreichen. Etwas, was ja durchaus schon von Autoren und Verlagen so gehandhabt wird – nur hier mit fundierterer Basis als bisher, wo noch sehr viel Publikumseinschätzung aus dem Bauchgefühl heraus entstanden ist.

Von Leserseite aus ist diese Vorstellung ebenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. Wir würden nur noch die Bücher vorgestellt bekommen, die genau zu unseren Interessen passen, würden also keine Zeit mehr mit Publikationen vergeuden, die unseren Geschmack nicht treffen. Aber auch da muss die Erweiterung des Horizonts an anderer Stelle stattfinden.

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