Rasputin und der Haftungswiderspruch

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Rasputin (Quelle: Wiki Commons)

Er taucht in jedem Blockbuster auf und auch auf zahlreichen Webseiten: der Disclaimer. Dieser kleine Hinweis, dass man für die Inhalte weiterleitender Links nicht haftet oder die Darstellung von Personen komplett fiktiv ist – ein Hinweis, der übrigens auch in Büchern immer öfter auftaucht.

Die Schuld, weshalb es Disclaimer gibt, trägt, wie an vielem anderen auch, der russische Mystiker Rasputin – oder eigentlich einer seiner Mörder, Felix Felixowitsch Fürst Jussupow. Der Fürst gehörte zu dem Kreis russischer Aristokraten, die 1916 beschlossen, Rasputin umzubringen, um so seinem schädlichen Einfluss auf die Zarenfamilie ein Ende zu setzen. Jussopow lud Rasputin in seinen Palast ein und servierte ihm vergifteten Kuchen und Wein. Doch das animierte den Mystiker nur zum Singen. Danach schoss Jussupow Rasputin in den Rücken, doch statt tot umzufallen, wankte dieser in den Hof des Palastes. Ein weitere Adeliger schoss noch vier Mal auf Rasputin, aber als auch das nichts half, wurde Rasputin gefesselt und im Fluss versenkt, so die Legende.

Fürst Felix Jussupow und seine Frau Irina (Copyright: Boasson and Eggler St. Petersburg Nevsky 24)
Fürst Felix Jussupow und seine Frau Irina (Copyright: Boasson and Eggler St. Petersburg Nevsky 24)

Und eine Geschichte, die sich großartig für Romane und Filme eignet, weswegen bereits 1932 MGM den Film „Rasputin: Der Dämon Rußlands“ produzierte. Dort taucht Jussupow leicht erkennbar unter dem Namen „Prince Paul Chegodieff“ und seine Frau Irina als Natascha auf. Natascha wird in dem Film von Rasputin vergewaltigt. Fürst Jussupow und seine Frau schaffen es, die Revolution zu überleben und ins Exil nach Paris zu flüchten. Irina erklärt, nie von Rasputin vergewaltigt worden zu sein, klagt und gewinnt. Seither ist der Disclaimer am Filmende Standard: „This is a work of fiction. Any similarity to actual persons, living or dead, or actual events, is purely coincidental.“

Auch deutsche Produktionen setzen ihn inzwischen ein, und ebenso sind Webseitenbetreiber dazu übergegangen, Disclaimer im Impressum zu nutzen. Einige dieser Disclaimer stammen sogar von Anwälten.

Nur: Rechtlich sind diese Disclaimer wirkungslos, da bei uns deutsches Recht gilt!

Nach US-amerikanischem Recht ist es möglich, die Haftung mit dieser Erklärung außer Kraft zu setzen, nach deutschem Recht nicht. Nach deutschem Recht geht man davon aus, dass ein Webseitenbetreiber einen Link als ausdrückliche Ergänzung zu seiner Seite angibt, also folgerichtig auch für die Inhalte haften muss. Natürlich gibt es Ausnahmen, die vor Gericht sicher anerkannt würden, wie zum Beispiel wissenschaftliche Webseiten, die beispielsweise über radikale Strömungen berichten und dies per Verlinkung belegen. Aber prinzipiell kann man nach deutschem Recht der Haftung so nicht entgehen.

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