Rezension: „Der Pfau“

Cover_pfauVorab: Normalerweise spielen die Romane, die ich rezensiere, im 19. Jahrhundert und meist in Großbritannien. Dieser Roman spielt in der Gegenwart, aber der Ort und die Stimmung des Buches passen so perfekt in mein Beuteschema, dass auch er unbedingt Eingang in Miss Eyres Bibliothek finden muss.

Autorin: Isabel Bogdan. Erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag (http://www.kiwi-verlag.de/), Hardcover (ISBN 978-3-462-04800-1) oder E-Book (ISBN 978-3-462-31536-3).

Erster Satz: Einer der Pfauen war verrückt geworden.

Auf dem kleinen Anwesen der McIntoshs in den schottischen Highlands leben einige Tiere, unter anderem Pfauen. Diese fühlen sich wie der Lord und die Lady in der Abgeschiedenheit durchaus wohl. Nur einer der Pfauen entwickelt eine Abneigung, und zwar gegen alles, was blau ist. Auch das ist zunächst kein Problem, denn in den schottischen Highlands ist die Farbe Blau nicht allzu verbreitet. Jedoch finanzieren Lord und Lady McIntosh ihr Anwesen dadurch, dass sie Zimmer und Cottages vermieten. Eines Tages haben sie das Glück, der Ort der Wahl für eine Teambuiling-Maßnahme einer Gruppe Londoner Investment-Banker zu werden – lukrative Kundschaft, die das Anwesen auch weiterempfehlen könnte. Die Schwierigkeiten beginnen bereits, als die Gruppe ankommt, allen voran die Chefin der Abteilung in einem blauen Auto.

Was auf diese skurrile Ausgangssituation folgt, bleibt skurril und kann wohl mit dem gleichen Augenzwinkern gelesen werden, wie es geschrieben wurde.

Virtuos springt die Autorin zwischen den unterschiedlichen Perspektiven der Menschen und teilweise auch der Tiere auf dem verschneiten Anwesen hin und her. Wie ein Puzzle fügt sich so nach und nach die Geschichte zusammen. Und was zunächst nach schwierig zu lesen klingt, ist derart flüssig und locker erzählt, dass der Leser sehr gerne mitpuzzelt.

Auch eine Besonderheit des Romans: Er enthält keine Dialoge. Gespräche werden daher nie objektiv wiedergegeben, sondern immer nur subjektiv aus der Perspektive eines der Teilnehmer oder eines Zuhörers. Dieser handwerkliche Kunstgriff macht es möglich, dass bei jedem Gespräch die Meinung zum Thema und den Gesprächspartnern gleich mitgeliefert wird – was der Geschichte einen gekonnten, ironischen Unterton verleiht.

Fazit: Eine Geschichte voll britischer Zurückhaltung und skurrilem Witz. Handwerklich meisterhaft gut erzählt!

Leseprobe unter: http://www.kiwi-verlag.de/buch/der-pfau/978-3-462-04800-1/Cover_pfau

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