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Im Porträt: Autorin Sophia Farago

Foto: Christine Wurnig
Foto: Christine Wurnig

Gerne stelle ich von Zeit zu Zeit auf meinem Blog Menschen vor, die mit Büchern zu tun haben. Dieses Mal die Trainerin und Unternehmensberaterin Dr. Rauchberger, die als solche nichts mit Büchern zu tun hat, die aber wie viele Autoren eine „Zweitexistenz“ führt – unter dem Pseudonym Sophia Farago. Man könnte auch von Dritt-, Viert- und Fünftexistenz sprechen, da sie auch noch unter den Pseudonymen Sophia Scheer, Sophia Rauchberger und Sophie Scheer schreibt.

Aber keine Sorge, sie kann mit den multiplen Persönlichkeiten umgehen. Als Sophia Farago hat sie sich auf das England der Regency-Zeit, also auf das der Jane Austen spezialisiert. Ich freue mich sehr, dass mir die moderne Jane Austen Rede und Antwort gestanden hat:

„Wann ist dein erstes Buch erschienen und war das bereits ein Regency-Roman?“

Die Regency-Zeit hat mich seit meiner Jugend fasziniert und inspiriert und zum Schreiben gebracht. Daher war natürlich mein erster Roman „Die Braut des Herzogs“ ein Regency-Roman. Er erschien 1993 im Fischer Verlag.

„Gibt es eine Figur in deinen Büchern, mit der du dich besonders eng verbunden fühlst?“

Die erste Figur, die in meinem Kopf zu sprechen begann, war der Herzog von Wellbrooks, dessen Geschichte ich in „Der Braut des Herzogs“ aufgeschrieben habe. Natürlich fühle ich mich mit ihm besonders verbunden. Aber ich liebe auch Frederica, Penelope und den Earl of Derryhill aus „Der Heiratsplan“. Und dann noch … ach, eigentlich liebe ich alle meine Figuren. Außer Mr. Pucklechurch.

„Was fasziniert dich am 19. Jahrhundert?“

Ich liebe England, ich liebe die Traditionen. Das frühe 19. Jahrhundert war auch geschichtlich eine sehr spannende Epoche. Die Kriege gegen Napoleon, die Industrielle Revolution, ein König, der, geistig umnachtet, nicht mehr regieren konnte. Ein skandalträchtiger Prinzregent, der Paläste bauen ließ, Kunstschätze ansammelte, in Bigamie lebte und bis zu 120 Gänge beim Dinner servieren ließ – all das schreit doch danach, Geschichten zu erzählen.

„Was ist für dich die größte Herausforderung, wenn du dich an einen neuen Roman setzt?“

Das Ausdenken der Geschichte macht Freude und ist auch für die Autorin spannend. Die größte Herausforderung ist es, all das Bunte, Spannende, Aufregende, das sich im Kopf abspielt, auch zu Papier zu bringen.

„Du reist gerne zu den Originalschauplätzen deiner Bücher: Hast du hier einen Geheimtipp, was man unbedingt besuchen sollte?“

Richtig, ich war schon mehr als fünfzig Mal auf der Insel. Was man sich neben London unbedingt ansehen sollte? Den reizenden Ort Chawton, in dem Jane Austen glückliche Jahre verlebte. Allein die reetgedeckten Häuschen sind eine Reise wert. Und dann natürlich Bath, das mondäne Kurbad. Im Jane-Austen-Center gibt es viel Spannendes aus der Regency-Zeit zu erfahren. Und am Royal Pavillon in Brighton, dem exotischen Palast des Prinzregenten, kann kein wahrer Regency-Fan vorbeigehen.

Vielen Dank an Sophia Farago für die das Interview!

72dpi_Farago_Digmore_ParkVon der Autorin sind im Dryas Verlag die Bücher „Das Geheimnis von Digmore Park“ und „Der Heiratsplan“ erschienen, beides genau das Richtige für Regency-Fans. Und für November 2016 ist bereits der nächste Roman geplant mit dem Titel „Verlobung wider Willen“, so viel sei schon verraten.

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Rezension: „Der Tod kommt nach Pemberley“

PemberleyAutor: P.D. James. Erschienen im Droemer Verlag (http://www.droemer-knaur.de/), Hardcover (ISBN 978-3-426-19962-6), Taschenbuch (ISBN 978-3-426-30413-6) oder E-Book (ISBN 978-3-426-41906-9). Übersetzt von Michaela Grabinger.

Erster Satz: Unter der weiblichen Bewohnerschaft von Meryton herrschte Einvernehmen darüber, dass Mr. und Mrs. Bennet von Longbourn bei der Verheiratung von vieren ihrer fünf Töchter Glück gehabt hatten.

Schon der erste Satz zeigt es deutlich: In diesem Buch weht durch jede Seite der Geist von Jane Austen. Die Autorin hat hier kein leichtes Erbe angetreten – aber Hut ab, es ist ihr gelungen.

Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy heiraten und ziehen in Darcys Landsitz Pemberley. So endet „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Und wie bei vielen Liebesgeschichten ist auch diese damit erzählt. Dachte Jane Austen. Aber eine nicht unbekannte Krimi-Autorin, Phyllis Dorothy James, Baroness James of Holland Park und Schöpferin von Commander Adam Dalgliesh („Ein Spiel zuviel“), wollte den beiden die Ruhe nicht gönnen. Und so geraten Mr. und Mrs. Darcy in die Ermittlungen eines Mordfalls. Im Park von Pemberley geschieht ein Mord. Der Hauptverdächtige ist Wickham. Genau, ebendieser Wickham, der sich bereits in „Stolz und Vorurteil“ nicht gerade positiv hervortut, als er erst die Schwester von Darcy entführen will und es ihm dann mit der Schwester von Elizabeth auch gelingt.

P.D. James ist es großartig gelungen, den Faden wieder aufzunehmen. Auch wenn es sich bei ihrem Roman um einen Krimi und nicht um eine Liebesgeschichte handelt, so nehmen doch auch hier die gesellschaftlichen Gepflogenheiten und deren Befolgung oder Missachtung den wichtigsten Platz ein. Wie geht man gesellschaftlich damit um, dass auf dem eigenen Grundstück ein Mord passiert ist? Was bedeutet das für die Freunde und Angehörigen? Was für die Dienerschaft? Im Buch wird im Detail eine Gesellschaft beschrieben, in der jeder seinen Platz hat und man sich nie allein definiert, sondern immer nur anhand der Rolle, die man im Gesamtgefüge spielt.

Der Roman der im Jahre 2014 verstorbenen Autorin entstand 2011. Und ohne irgendwelche Einschränkungen kann man sagen, dass sie Ton und Stimmung perfekt getroffen hat. Ob es vielleicht interessant gewesen wäre, dem Ganzen einen moderneren Ansatz zu geben, ist fraglich. Denn offensichtlich war dies nicht die Absicht der Autorin, und daher liest sich das Buch genauso klassisch wie ein Werk von Jane Austen.

Fazit: Ein absolutes Muss für Jane-Austen-Fans! Wer deren Stil nicht mag oder „Stolz und Vorteil“ nicht kennt, wird weniger Freude damit haben.

Leseprobe unter: http://www.droemer-knaur.de/buch/7985714/der-tod-kommt-nach-pemberley

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Rezension: „Wiedersehen mit Brideshead“

bridesheadAutor: Evelyn Waugh. Erschienen im Diogenes Verlag (http://www.diogenes.ch/), Hardcover (ISBN 978-3-257-06876-4) oder E-Book (978-3-257-60343-9)

Erster Satz: Als ich die Quartiere der dritten Kompanie oben auf der Anhöhe erreichte, hielt ich inne und wandte mich zu dem Lager um, das im grauen Dunst des frühen Morgens unter mir soeben in seiner ganzen Größe sichtbar wurde.

Evelyn Waughs Buch ist ein Klassiker und daher kann ich mich vielen Vor-Rezensenten anschließen, die empfehlen, mit dem Lesen auf Seite 39 zu beginnen. Bei „Wiedersehen mit Brideshead“ handelt es sich um den Rückblick eines Soldaten im Zweiten Weltkrieg auf ein Leben und eine Gesellschaft, die es so nicht mehr gibt. Folgerichtig beginnt das Buch auch mit einer Schilderung des Kriegsalltags, die leider etwas langatmig und eher mühsam zu lesen ist. Doch ab Seite 39 taucht der Protagonist Charles Ryder in die Welt seiner Erinnerungen ab – Erinnerungen an seinen Freund Sebastian im England der 20er und 30er Jahre, an ihr Leben als Studenten in Oxford und an Sebastians Familie. Er schildert das Kennenlernen mit Sebastian in einer Form, die auch Oscar Wilde alle Ehre gemacht hätte. Charles wohnt in einem Studentenzimmer im Erdgeschoss. Eines Abends kommen andere Studenten nach einer Feier vorbei:
„… und dann erschien an meinem Fenster das Gesicht, von dem ich wusste, dass es Sebastian gehörte … Er sah mich einen Augenblick an, ohne mich wirklich zu sehen, beugte sich dann weit in mein Zimmer hinein und übergab sich.
Es war nicht ungewöhnlich, dass Dinnerpartys auf diese Weise endeten; es gab für solche Gelegenheiten sogar einen offiziellen Tarif für den Aufwärter, der hinterher saubermachen musste. Wir lernten durch praktisches Ausprobieren den Umgang mit Alkohol …“
Zwischen Charles und Sebastian entwickelt sich mehr als nur eine Freundschaft. Doch während Charles nach und nach seinen Weg findet und schließlich nach Paris geht, um Malerei zu studieren, kann sich Sebastian mit seinen eigenen und den Ansprüchen seiner Familie nicht arrangieren. Bald trinkt er mehr, als für ihn gut ist, und so wie er bricht auch seine Welt um ihn herum am Vorabend des Krieges nach und nach zusammen.

Fazit: Das Buch liest sich wie ein großes Gemälde. Es beinhaltet alles, was dazugehört: ein prunkvolles Herrenhaus, mehrere exzentrische Lords und Ladys, treue Dienstboten, ehrgeizige Emporkömmlinge und Erben, die mit ihrem Vermächtnis überfordert sind. Oft wird es mit „The Great Gatsby“ verglichen, denn auch hier wird der Leser in eine in sich geschlossene Gesellschaft geführt, die Außenstehende nie völlig akzeptiert, die es aber ihren Mitgliedern auch unmöglich macht, aus ihr zu entkommen, egal was sie tun. Ein aktuellerer Vergleich wäre der mit der Fernsehserie „Downton Abbey“.

Die Neuübersetzung durch Pociao ist übrigens genauso trocken formuliert wie das Original, der englische Charme des Buches bleibt durch und durch erhalten. Außerdem hat der Diogenes Verlag der Neuübersetzung eine wunderbare Hardcover-Ausgabe spendiert, mit Schutzhülle, silbernem Leineneinband und Lesebändchen. Was will man mehr.

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Rezension „Schnee über Devon“

cover_devon Autorin: Imelda Arran. Erschienen in Kindle Edition. Ausschließlich als E-Book bei amazon erhältlich.

Erster Satz: In den wirbelnden Flocken versuchte der Kutscher die Pferde zu zügeln, doch sie wieherten auf und scheuten, als die Frau direkt vor ihnen auf die Straße stürzte.

Auch wenn die junge Witwe Angela Summerset ihre Tochter Emily und sich selbst gerade so vor dem Verhungern bewahren kann, so ist sie doch stolz und will niemandem zur Last fallen. Auch Dr. Worsely nicht, der sie nach einem Unfall kostenlos behandelt – und sich in sie verliebt.

Doch der Standesunterschied scheint diese Liebe nicht zuzulassen; Angela möchte Worsely nicht schaden und er traut sich nicht, sich ihr zu offenbaren. Angela akzeptiert keine weitere Unterstützung von Worsely, daher vermittelt er sie als Angestellte in den Haushalt eines Freundes. Doch schneller als gedacht bereut er diese Entscheidung, da nicht nur er, sondern auch Angela und Emily dadurch ins Visier einer angesehenen und skrupellosen Familie der gehobenen Gesellschaft geraten.

Was zunächst als zarte Liebesgeschichte à la Jane Austen beginnt, entwickelt sich bald zu einem Intrigenspiel von geradezu atemlosen Tempo. Die Cliffhanger sind gut plaziert, man fiebert beim Lesen mit und kann sich nur schwer losreißen. Das Motiv der Verkupplungsspielchen des 19. Jahrhunderts wurde hier mit einem sehr, sehr bösen Krimi-Element gepaart. Schön ist, dass der historische Hintergrund nicht nur Fassade ist, sondern auch die Handlung beeinflusst. Und so in gesellschaftliche Abgründe blicken lässt, die Verbrecher wie Jack the Ripper hervorgebracht haben. Aber zu viel sei hier nicht verraten, Lesen lohnt sich.

Leseprobe: auf der Amazon Webseite beim Buch.

Fazit: Eine stimmungsvolle Romanze mit kriminellem Hintergrund, der für das richtige Maß an Spannung sorgt.

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Rezension „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“

Marley_Inspector_Swanson_Ripper_RGB_72dpiAutor: Robert C. Marley. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-59-6) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-80-7).

Der erste Satz: Mr. John Saunders Reeves krempelte die abgewetzten Ärmel seines fadenscheinigen blauen Hemds herunter und stand vom Küchentisch auf.

Im zweiten Band der Reihe um Chief Inspector Donald Swanson trifft dieser nun seine Nemesis, den „Whitechapel-Mörder“, besser bekannt als „Jack the Ripper“. Der Roman beruht auf Tatsachen, denn es war wirklich Inspector Swanson, der 1888 die Ermittlungen in diesem Fall führte und die unterschiedlichsten Hypothesen rund um die Morde prüfen musste. So ist dieser Roman sowohl ein spannender Krimi als auch eine Beschreibung der historischen Ermittlungsarbeit. Bereits 1888 hatte jeder, der etwas auf sich hielt, seine eigene Erklärung für die Morde – und Swanson wurde wohl oder übel damit konfrontiert. Auch mit Thesen wie der des entflohenen Orang-Utans, der für die Taten verantwortlich sein sollte. So haarsträubend das auch klingt, dies war das tatsächlich eine der Spekulationen, die damals angestellt wurden.

Was diesen Roman besonders macht, sind die wunderbar in die Handlung eingewebten historischen Details. Sie erwecken die Epoche mühelos zum Leben und lassen den Leser in die Ermittlungen eintauchen. Wie zum Beispiel der Platzmangel in der noch relativ neuen Behörde Scotland Yard kurz vor ihrem Umzug in ein größeres Gebäude. Die Akten stapeln sich auf der Treppe, in den freien Ecken sitzen Constabler und arbeiten oder ruhen sich vom Dienst aus. Egal ob Besenkammer oder Toilette, alles wird zum Büro umfunktioniert. Und dazu kommt noch eine neue Abteilung, die Spurensicherung, mit ihren von den Kollegen skeptisch beäugten modernen Methoden.

Auch heute noch werden in schöner Regelmäßigkeit Thesen veröffentlicht, wer denn nun Jack the Ripper gewesen sein mochte. Doch bisher gibt es keine, die allen Gegenargumenten standgehalten hätte – außer vielleicht die des Autors Robert C. Marley, seit langem Mitglied der Jack the Ripper Society, die sich der Lösung dieses Falles widmet.

 

Fazit: Ein Krimi zum Eintauchen in einen komplexen Fall und eine spannende Epoche.

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Rezension „Gloria und die Liebenden von Verona“

Klaus_Gloria_Verona_72dpi_RGBAutorin: Marlene Klaus. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-58-9) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-81-4).

Der erste Satz: Die Straße war schlecht, wie alle Straßen, die sie seit ihrer Abreise aus England vor zwei Monaten befahren hatten.

Gloria hat kein Glück in der Liebe. Doch was hilft bei Liebeskummer? Eine lange Reise, davon ist zumindest ihre Tante überzeugt und nimmt ihre Nichte daher mit nach Italien. Für das 19. Jahrhundert durchaus eine längere Reise, deren erste Station Verona sein soll. Und ausgerechnet in der Stadt Romeos und Julias holt Gloria das Thema Liebe wieder ein, allerdings in eher krimineller Form. Sie wird von einer jungen Italienerin um Hilfe gebeten, da ihr Freund nach einem Duell verschwunden und dessen Mit-Duellant tot ist. Gloria stellt bald fest, dass die Lage der Dinge nicht so offensichtlich ist, wie sie zu sein scheint, und beginnt nachzuforschen – wobei ihr eine Reisebekanntschaft, Lord Alexander, zu Hilfe kommt. Auch Alexander hat nicht viel Glück in der Liebe, und schon bald geraten die beiden Dickköpfe aneinander.

Der Roman macht es dem Leser einfach, in den Fall und die Epoche einzutauchen. Genau recherchierte historische Details machen das Verona des 19. Jahrhunderts und die Reisebedingungen der Zeit lebendig. Und ein nicht leicht zu lösendes Verbrechen hält den Leser in Atmen. Charmant ist dabei natürlich der Bezug zur Liebesgeschichte von Romeo und Julia, die Parallelen zum aktuellen Fall sind eindeutig. Aber das Glanzlicht des Buches sind die Figuren und deren Zusammenspiel. Gloria wächst einem sofort ans Herz und ebenso die lebenserfahrene Tante Jo. Die Dialoge sind wunderbar pointiert und geben dem Buch Tempo und den Figuren Charakter.

Fazit: Ein viktorianischer Krimi mit Witz, Spannung und Eloquenz.

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Rezension „Das Gesicht des Fremden“

Cover "Das Gesicht des Fremden"
Autorin: Anne Perry. Erschienen bei Goldmann (www.randomhouse.de/goldmann), leider nur noch als E-Book erhältlich, ISBN E-Book 978-3-641-12735-0.

Der erste Satz: Er öffnete die Augen und sah nichts als fahles Grau über sich, eintönig wie ein Winterhimmel, bleiern und bedrohlich.

Anne Perry ist zweifelsohne eine Galionsfigur des historischen Krimis. Das 19. Jahr-hundert ist ihr Thema, und kaum ein Krimi-Leser ist nicht schon einmal über ihre Pitt-Reihe gestolpert. Weniger bekannt ist ihre Reihe rund um den ehemaligen Polizei-inspektor William Monk, der oft mit der Unterstützung der Krankenschwester Hester Latterly ermittelt.

Obwohl Perry mit der Reihe bereits in den 90er Jahren begonnen hat, weist Monk alle Charakteristika des heutzutage beliebten Detektiv-Typen auf: Er ist arrogant, kein ein-facher Mensch, hat nur wenige Freunde, ist ehrgeizig und dabei nur selten dip-lomatisch. Was schließlich auch Gründe dafür sind, dass er seinen Job bei der Polizei verliert und sich danach als selbstständiger Ermittler über Wasser halten muss.

Was die Konstellation in diesem Fall ungewöhnlich macht, ist der Ausgangspunkt. Die Reihe beginnt mit einem Unfall Monks, bei dem er sein Gedächtnis verliert. Er kann sich an überhaupt nichts mehr erinnern, selbst sein Gesicht im Spiegel ist ihm fremd. So muss er nicht nur Fälle lösen, sondern auch versuchen, seinem alten Ich auf die Spur zu kommen, denn niemand soll merken, was passiert ist. Je mehr er dabei von sich selbst entdeckt, desto unsympathischer wird er sich selbst.

Gleich bei seinem ersten Fall – ein junger Adeliger wird in seiner Wohnung erschlagen – begegnet er bei den Ermittlungen der Krankenschwester Hester Latterly, die ihn mit ihrer Intelligenz und ihrem Selbstbewusstsein gleichzeitig fasziniert und verrückt macht. Eine einfache Liebesgeschichte ist jedoch bei zwei Charakteren mit derartigem Dickkopf nicht zu erwarten, so viel sei schon einmal verraten.

Die Reihe rund um Monk und Latterly ist inzwischen bei Band 20 angekommen („Das Grab in der Themse“) und die Fälle bleiben gut gestrickt, zumindest ich konnte nur selten den Täter erraten. Genau das Richtige für alle, die bei Krimis auch gerne etwas zum Rätseln haben. Außerdem fasziniert das detailreiche Sittengemälde der Epoche, immer wieder werden Standesunterschiede oder Frauenrechte thematisiert, und selbst Monk kann sich nicht vom Denken seiner Zeit befreien.

Ebenfalls historisch interessant ist der Hintergrund des eben zu Ende gegangenen Krimkrieges. Seine Folgen spiegeln sich sowohl in der Krankenpflege als auch im Ego der herrschenden Klasse des Britischen Weltreichs wider. Ein bisschen zu genau ist Frau Perry, wenn es um Stoffe und Kleiderschnitte geht – teilweise haben diese etwas mit der Figurencharakterisierung zu tun, aber teilweise merkt man hier einfach nur, wie tief die Autorin in das Thema eingetaucht ist und wie dringend sie diese Informationen loswerden will.

Leseprobe unter: www.ebook.de/de/product/21677876/
anne_perry_das_gesicht_des_fremden.html

Fazit: Großartiges Lesefutter für Fans der Epoche mit einem unbequemen Protagonis-ten, der den Leser aber leicht in seinen Bann zieht.

[Tweet „Buchtipp für Fans viktorianischer Krimis, @Eyre_und_Mops“]

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Rezension „Stadt in Angst“

Stadt in Angst von John MatthewsAutor: John Matthew (übersetzt aus dem Englischen von Andreas Jäger). Erschienen 2014 auf Deutsch im Page & Turner Verlag, ISBN Taschenbuch 978-3-442-20438-0, ISBN E-Book 978-3-641-14342-8, Original erschienen 2013 im Verlag Exhibit A unter dem Titel „Letters from a Murderer“

Der erste Satz: Als Camille das Lokal betrat, fasste sie sofort den Mann hinter dem Tresen ins Auge.

Eine brutale Mordserie an Prostituierten hält New York 1891 in Atem. Das Muster der Morde erinnert an die Verbrechen von Jack the Ripper ungefähr 10 Jahre zuvor in London. Mit den Ermittlungen wird der New Yorker Polizist Joseph Argenti beauftragt, der Sohn armer italienischer Einwanderer, der sich hochgearbeitet hat. Da die Fälle denen in London gleichen, bekommt er den Kriminalanalytiker Finley Jameson als Unterstützung an die Seite gestellt. Jameson war bereits an den Ermittlungen in London zu den Ripper-Morden beteiligt. Er stammt aus der englischen Oberschicht, wurde aber von seiner Tante in New York großgezogen. Seine Studienzeit verbrachte er in London, wo er über seinen Professor in die Ermittlungen involviert wurde. Inzwischen lebt er wieder in New York.

Der Gedanke des Autors war es wohl, wie in vielen aktuellen Krimiserien, ein sehr gegensätzliches Ermittlerpaar an einen komplizierten und emotional aufreibenden Fall zu setzen, um so neben der Spannung des Falls selbst auch eine Spannung zwischen den Figuren zu erzeugen. Der Fall ist in der Tat spannend, ein Aspekt hierbei sind die regelmäßigen Briefe, die der mutmaßliche Ripper an die Zeitung schickt und in denen er sich über die Ermittlungen lustig macht. Durch die Briefe werden die Ermittlungen immer wieder vorangetrieben und sie geben dem Buch auch den englischen Originaltitel „Letters from a Murderer“.

Was meines Erachtens jedoch leider gar nicht funktioniert, ist das Ausspielen der gegensätzlichen Charaktere der Ermittler. Zwar wird erwähnt, dass Argenti Jameson zunächst nicht so sympathisch findet, und auch bei ihrer ersten gemeinsamen Befragung findet er dessen Verhalten mehr als nur seltsam, aber damit ist dieser Aspekt auch schon im Wesentlichen abgefrühstückt. Die beiden Ermittlerfiguren bleiben sehr blass, was meiner Meinung nach daran liegt, dass erst sehr spät auch auf Jamesons Gefühle und Einstellungen eingegangen wird.

Die Ripper-Morde in New York haben allerdings einen historischen Hintergrund. 1891 wurde in Manhattan eine ermordete Prostituierte gefunden, die ähnlich verstümmelt war wie die Opfer in London. Die Londoner Polizei schloss damals jedoch einen Zusammenhang aus.

Leseprobe: http://www.randomhouse.de/Paperback/Stadt-in-Angst-Historischer-Kriminalroman/John-Matthews/e446016.rhd

Fazit: Ein solide und spannend konstruierter Fall mit für mich leider zu blassen Hauptfiguren.

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Rezension: „Das Geheimnis der Lady Audley“

Das Geheimnis der Lady Audley Autorin: Mary Elizabeth Braddon (übersetzt und bearbeitet von Anja Marschall)
Erschienen in bearbeiteter Version von 2014 bei Dryas (www.dryas.de), ISBN Taschenbuch 978-3-940855-47-3, ISBN E-Book 978-3-941408-53-1, ungekürzt 1998 bei dtv (www.dtv.de) und im Original 1862 auf Englisch im Sixpenny Magazine von Maxwell bzw. neu aufgelegt bei Wordsworth Classics.

Der erste Satz: Das Herrenhaus von Audley Court verbarg sich in einem Tal mit prächtigen alten Bäumen und üppigen Weiden.

Als der Onkel des Londoner Anwalts Robert Audley wieder heiratet, und zwar die deutlich jüngere, wunderschöne Lucy Graham, besucht Robert ihn mit seinem Freund George, um die neue Lady Audley kennenzulernen. Doch offensichtlich kennen sich George und Lucy, und es scheint ihm, als würde Lucy ein dunkles Geheimnis umgeben. Doch bevor Robert mehr darüber erfahren kann, reist George überstürzt ab – in London kommt er aber nie an. Robert macht sich auf die Suche nach seinem Freund und gelangt bald zu der Überzeugung, dass er ihn nur finden kann, wenn er das Geheimnis lüftet, das Lucy Graham so sorgfältig hütet.

Die Autorin dieses viktorianischen Thrillers mit Gänsehautgarantie wurde 1837 (oder 1835, je nach Quelle) in London geboren. Ihre Eltern trennten sich, und die Liebe ihres Lebens, der Verleger John Maxwell, war bereits verheiratet, als sie ihn kennenlernte. So sind Scheidung, Bigamie und Ehebruch ein häufiges Thema ihrer Romane. Bis zu ihrem Tod 1915 schrieb sie über 80 Romane – die genaue Zahl ist nicht bekannt, da sie auch unter Pseudonym veröffentlichte und man daher bei einigen Texten nicht sicher ist, ob sie ihr zuzuordnen sind.

Braddon galt als die „Queen of Suspense“ ihrer Zeit, zu ihren Lesern gehörten Alfred Tennyson, Oscar Wilde oder Charles Dickens. Ihre Geschichten sind zeitlos spannend, nur ihr Schreibstil war sehr mit ihrer Epoche verhaftet. Daher wurde ihr Buch „Lady Audley’s Secret“ 2014 im Dryas Verlag von Anja Marschall neu übersetzt und dabei vorsichtig bearbeitet, so dass der Focus wieder auf der Geschichte liegt, man den viktorianischen Stil zwar noch sehr gut spürt, er aber nicht mehr stört, z. B. die ausufernde Länge der Landschaftsbeschreibungen. Geblieben ist auf jeden Fall die sprachliche Ironie wie beispielsweise in der Berufsbeschreibung von Robert Audley: „Robert Audley war angeblich Advokat. […] Sein Vater hatte ihm vierhundert Pfund im Jahr hinterlassen, und seine Freunde hatten ihm geraten, diesen Betrag durch den Eintritt in den Anwaltsstand zu vermehren. Und als er nach reiflicher Überlegung zu der Erkenntnis gelangt war, dass es weit mehr Mühe bereite, den Wünschen dieser Freunde zu widerstehen […], hatte er sich für Letzteres entschieden und nannte sich nun ohne irgendwelche Bedenken Advokat.“
Wer das Original auf Englisch lesen möchte, findet den gemeinfreien Text im Projekt Gutenberg: http://www.gutenberg.org/files/8954/8954-h/8954-h.htm

Leseprobe der Übersetzung: http://www.dryas.de/baker-street/das-geheimnis-der-lady-audley

Fazit: Viktorianische Geheimniskrämerei mit Gänsehautfaktor von der „Queen of Suspense“ der Epoche.

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Rezension: „Die Frau in Schwarz“

Autorin: Susan Hill
Erschienen bei Knaur (www.droemer-knaur.de), ISBN Taschenbuch 978-3-426-50220-4, ISBN E-Book 978-3-426-41248-0, wurde auch verfilmt

Der erste Satz: Es war Heiligabend, halb zehn.cover_frauschwarz

Der Anwalt Arthur Kipps wird beauftragt, den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow durchzusehen. Dieser befindet sich im Haus der Verstorbenen – Eel Marsh House. Das Herrenhaus steht auf einer Insel im Watt und kann nur bei Ebbe über einen Damm erreicht werden. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes, in dem Arthur übernachtet, sind schockiert, als er von seinem Vorhaben berichtet, in Eel Marsh House zu übernachten. Sie wollen ihn dazu bewegen, so schnell wie möglich abzureisen. Doch Arthur möchte seinen Auftrag ausführen, fährt hinüber zur Insel und übernachtet im Herrenhaus. Was er dort erlebt, ist Gothic Horror der besten Qualität: huschende Schatten, Schreie in der Nacht, ein düsteres Geheimnis und ein sehr, sehr rachsüchtiger Geist.

Das Buch ist, für das Genre klassisch, in der Ich-Perspektive geschrieben, Arthur Kipps berichtet Jahre später von seinen Erlebnissen. Heute wird in vielen Büchern und vor allem auch Filmen Horror oft mit Ekel verwechselt – daher Hut ab vor Frau Hill, denn ihr Buch kommt ohne jeden Ekel-Effekt aus, dennoch ist Gänsehaut garantiert. Vor allem das Ende ist bitterböse und jagt einem einen Schauder über den Rücken. Daher genau das richtige Buch für einen dunklen Abend zwischen den Jahren bei Kerzenlicht.

Susan Hills Roman ist bereits 1983 erschienen und wurde 2012 mit Daniel Radcliffe als Arthur Kipps verfilmt. Auch der Film ist sehenswert und fängt die viktorianische Gruselstimmung sehr gut ein. Daniel Radcliffe schafft es, gar nicht an Harry Potter zu erinnern – eine reife Leistung, da er mit dieser Rolle doch eng verknüpft ist. Interessanterweise wurde für den Film die Geschichte an einer entscheidenden Stelle geändert, was zu einem anderen Ende führt. Das neue Ende ist aber ebenso bitterböse wie das im Buch.

Leseprobe

Fazit: Das Buch bietet beste Gruselstimmung für dunkle Abende. Absolute Leseempfehlung für Gothic-Fans.