Rezension „Schnee über Devon“

cover_devon Autorin: Imelda Arran. Erschienen in Kindle Edition. Ausschließlich als E-Book bei amazon erhältlich.

Erster Satz: In den wirbelnden Flocken versuchte der Kutscher die Pferde zu zügeln, doch sie wieherten auf und scheuten, als die Frau direkt vor ihnen auf die Straße stürzte.

Auch wenn die junge Witwe Angela Summerset ihre Tochter Emily und sich selbst gerade so vor dem Verhungern bewahren kann, so ist sie doch stolz und will niemandem zur Last fallen. Auch Dr. Worsely nicht, der sie nach einem Unfall kostenlos behandelt – und sich in sie verliebt.

Doch der Standesunterschied scheint diese Liebe nicht zuzulassen; Angela möchte Worsely nicht schaden und er traut sich nicht, sich ihr zu offenbaren. Angela akzeptiert keine weitere Unterstützung von Worsely, daher vermittelt er sie als Angestellte in den Haushalt eines Freundes. Doch schneller als gedacht bereut er diese Entscheidung, da nicht nur er, sondern auch Angela und Emily dadurch ins Visier einer angesehenen und skrupellosen Familie der gehobenen Gesellschaft geraten.

Was zunächst als zarte Liebesgeschichte à la Jane Austen beginnt, entwickelt sich bald zu einem Intrigenspiel von geradezu atemlosen Tempo. Die Cliffhanger sind gut plaziert, man fiebert beim Lesen mit und kann sich nur schwer losreißen. Das Motiv der Verkupplungsspielchen des 19. Jahrhunderts wurde hier mit einem sehr, sehr bösen Krimi-Element gepaart. Schön ist, dass der historische Hintergrund nicht nur Fassade ist, sondern auch die Handlung beeinflusst. Und so in gesellschaftliche Abgründe blicken lässt, die Verbrecher wie Jack the Ripper hervorgebracht haben. Aber zu viel sei hier nicht verraten, Lesen lohnt sich.

Leseprobe: auf der Amazon Webseite beim Buch.

Fazit: Eine stimmungsvolle Romanze mit kriminellem Hintergrund, der für das richtige Maß an Spannung sorgt.

Rezension „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“

Marley_Inspector_Swanson_Ripper_RGB_72dpiAutor: Robert C. Marley. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-59-6) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-80-7).

Der erste Satz: Mr. John Saunders Reeves krempelte die abgewetzten Ärmel seines fadenscheinigen blauen Hemds herunter und stand vom Küchentisch auf.

Im zweiten Band der Reihe um Chief Inspector Donald Swanson trifft dieser nun seine Nemesis, den „Whitechapel-Mörder“, besser bekannt als „Jack the Ripper“. Der Roman beruht auf Tatsachen, denn es war wirklich Inspector Swanson, der 1888 die Ermittlungen in diesem Fall führte und die unterschiedlichsten Hypothesen rund um die Morde prüfen musste. So ist dieser Roman sowohl ein spannender Krimi als auch eine Beschreibung der historischen Ermittlungsarbeit. Bereits 1888 hatte jeder, der etwas auf sich hielt, seine eigene Erklärung für die Morde – und Swanson wurde wohl oder übel damit konfrontiert. Auch mit Thesen wie der des entflohenen Orang-Utans, der für die Taten verantwortlich sein sollte. So haarsträubend das auch klingt, dies war das tatsächlich eine der Spekulationen, die damals angestellt wurden.

Was diesen Roman besonders macht, sind die wunderbar in die Handlung eingewebten historischen Details. Sie erwecken die Epoche mühelos zum Leben und lassen den Leser in die Ermittlungen eintauchen. Wie zum Beispiel der Platzmangel in der noch relativ neuen Behörde Scotland Yard kurz vor ihrem Umzug in ein größeres Gebäude. Die Akten stapeln sich auf der Treppe, in den freien Ecken sitzen Constabler und arbeiten oder ruhen sich vom Dienst aus. Egal ob Besenkammer oder Toilette, alles wird zum Büro umfunktioniert. Und dazu kommt noch eine neue Abteilung, die Spurensicherung, mit ihren von den Kollegen skeptisch beäugten modernen Methoden.

Auch heute noch werden in schöner Regelmäßigkeit Thesen veröffentlicht, wer denn nun Jack the Ripper gewesen sein mochte. Doch bisher gibt es keine, die allen Gegenargumenten standgehalten hätte – außer vielleicht die des Autors Robert C. Marley, seit langem Mitglied der Jack the Ripper Society, die sich der Lösung dieses Falles widmet.

 

Fazit: Ein Krimi zum Eintauchen in einen komplexen Fall und eine spannende Epoche.

Rezension „Gloria und die Liebenden von Verona“

Klaus_Gloria_Verona_72dpi_RGBAutorin: Marlene Klaus. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-58-9) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-81-4).

Der erste Satz: Die Straße war schlecht, wie alle Straßen, die sie seit ihrer Abreise aus England vor zwei Monaten befahren hatten.

Gloria hat kein Glück in der Liebe. Doch was hilft bei Liebeskummer? Eine lange Reise, davon ist zumindest ihre Tante überzeugt und nimmt ihre Nichte daher mit nach Italien. Für das 19. Jahrhundert durchaus eine längere Reise, deren erste Station Verona sein soll. Und ausgerechnet in der Stadt Romeos und Julias holt Gloria das Thema Liebe wieder ein, allerdings in eher krimineller Form. Sie wird von einer jungen Italienerin um Hilfe gebeten, da ihr Freund nach einem Duell verschwunden und dessen Mit-Duellant tot ist. Gloria stellt bald fest, dass die Lage der Dinge nicht so offensichtlich ist, wie sie zu sein scheint, und beginnt nachzuforschen – wobei ihr eine Reisebekanntschaft, Lord Alexander, zu Hilfe kommt. Auch Alexander hat nicht viel Glück in der Liebe, und schon bald geraten die beiden Dickköpfe aneinander.

Der Roman macht es dem Leser einfach, in den Fall und die Epoche einzutauchen. Genau recherchierte historische Details machen das Verona des 19. Jahrhunderts und die Reisebedingungen der Zeit lebendig. Und ein nicht leicht zu lösendes Verbrechen hält den Leser in Atmen. Charmant ist dabei natürlich der Bezug zur Liebesgeschichte von Romeo und Julia, die Parallelen zum aktuellen Fall sind eindeutig. Aber das Glanzlicht des Buches sind die Figuren und deren Zusammenspiel. Gloria wächst einem sofort ans Herz und ebenso die lebenserfahrene Tante Jo. Die Dialoge sind wunderbar pointiert und geben dem Buch Tempo und den Figuren Charakter.

Fazit: Ein viktorianischer Krimi mit Witz, Spannung und Eloquenz.

Rezension „Das Gesicht des Fremden“

Cover "Das Gesicht des Fremden"
Autorin: Anne Perry. Erschienen bei Goldmann (www.randomhouse.de/goldmann), leider nur noch als E-Book erhältlich, ISBN E-Book 978-3-641-12735-0.

Der erste Satz: Er öffnete die Augen und sah nichts als fahles Grau über sich, eintönig wie ein Winterhimmel, bleiern und bedrohlich.

Anne Perry ist zweifelsohne eine Galionsfigur des historischen Krimis. Das 19. Jahr-hundert ist ihr Thema, und kaum ein Krimi-Leser ist nicht schon einmal über ihre Pitt-Reihe gestolpert. Weniger bekannt ist ihre Reihe rund um den ehemaligen Polizei-inspektor William Monk, der oft mit der Unterstützung der Krankenschwester Hester Latterly ermittelt.

Obwohl Perry mit der Reihe bereits in den 90er Jahren begonnen hat, weist Monk alle Charakteristika des heutzutage beliebten Detektiv-Typen auf: Er ist arrogant, kein ein-facher Mensch, hat nur wenige Freunde, ist ehrgeizig und dabei nur selten dip-lomatisch. Was schließlich auch Gründe dafür sind, dass er seinen Job bei der Polizei verliert und sich danach als selbstständiger Ermittler über Wasser halten muss.

Was die Konstellation in diesem Fall ungewöhnlich macht, ist der Ausgangspunkt. Die Reihe beginnt mit einem Unfall Monks, bei dem er sein Gedächtnis verliert. Er kann sich an überhaupt nichts mehr erinnern, selbst sein Gesicht im Spiegel ist ihm fremd. So muss er nicht nur Fälle lösen, sondern auch versuchen, seinem alten Ich auf die Spur zu kommen, denn niemand soll merken, was passiert ist. Je mehr er dabei von sich selbst entdeckt, desto unsympathischer wird er sich selbst.

Gleich bei seinem ersten Fall – ein junger Adeliger wird in seiner Wohnung erschlagen – begegnet er bei den Ermittlungen der Krankenschwester Hester Latterly, die ihn mit ihrer Intelligenz und ihrem Selbstbewusstsein gleichzeitig fasziniert und verrückt macht. Eine einfache Liebesgeschichte ist jedoch bei zwei Charakteren mit derartigem Dickkopf nicht zu erwarten, so viel sei schon einmal verraten.

Die Reihe rund um Monk und Latterly ist inzwischen bei Band 20 angekommen („Das Grab in der Themse“) und die Fälle bleiben gut gestrickt, zumindest ich konnte nur selten den Täter erraten. Genau das Richtige für alle, die bei Krimis auch gerne etwas zum Rätseln haben. Außerdem fasziniert das detailreiche Sittengemälde der Epoche, immer wieder werden Standesunterschiede oder Frauenrechte thematisiert, und selbst Monk kann sich nicht vom Denken seiner Zeit befreien.

Ebenfalls historisch interessant ist der Hintergrund des eben zu Ende gegangenen Krimkrieges. Seine Folgen spiegeln sich sowohl in der Krankenpflege als auch im Ego der herrschenden Klasse des Britischen Weltreichs wider. Ein bisschen zu genau ist Frau Perry, wenn es um Stoffe und Kleiderschnitte geht – teilweise haben diese etwas mit der Figurencharakterisierung zu tun, aber teilweise merkt man hier einfach nur, wie tief die Autorin in das Thema eingetaucht ist und wie dringend sie diese Informationen loswerden will.

Leseprobe unter: www.ebook.de/de/product/21677876/
anne_perry_das_gesicht_des_fremden.html

Fazit: Großartiges Lesefutter für Fans der Epoche mit einem unbequemen Protagonis-ten, der den Leser aber leicht in seinen Bann zieht.

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Rezension „Stadt in Angst“

Stadt in Angst von John MatthewsAutor: John Matthew (übersetzt aus dem Englischen von Andreas Jäger). Erschienen 2014 auf Deutsch im Page & Turner Verlag, ISBN Taschenbuch 978-3-442-20438-0, ISBN E-Book 978-3-641-14342-8, Original erschienen 2013 im Verlag Exhibit A unter dem Titel „Letters from a Murderer“

Der erste Satz: Als Camille das Lokal betrat, fasste sie sofort den Mann hinter dem Tresen ins Auge.

Eine brutale Mordserie an Prostituierten hält New York 1891 in Atem. Das Muster der Morde erinnert an die Verbrechen von Jack the Ripper ungefähr 10 Jahre zuvor in London. Mit den Ermittlungen wird der New Yorker Polizist Joseph Argenti beauftragt, der Sohn armer italienischer Einwanderer, der sich hochgearbeitet hat. Da die Fälle denen in London gleichen, bekommt er den Kriminalanalytiker Finley Jameson als Unterstützung an die Seite gestellt. Jameson war bereits an den Ermittlungen in London zu den Ripper-Morden beteiligt. Er stammt aus der englischen Oberschicht, wurde aber von seiner Tante in New York großgezogen. Seine Studienzeit verbrachte er in London, wo er über seinen Professor in die Ermittlungen involviert wurde. Inzwischen lebt er wieder in New York.

Der Gedanke des Autors war es wohl, wie in vielen aktuellen Krimiserien, ein sehr gegensätzliches Ermittlerpaar an einen komplizierten und emotional aufreibenden Fall zu setzen, um so neben der Spannung des Falls selbst auch eine Spannung zwischen den Figuren zu erzeugen. Der Fall ist in der Tat spannend, ein Aspekt hierbei sind die regelmäßigen Briefe, die der mutmaßliche Ripper an die Zeitung schickt und in denen er sich über die Ermittlungen lustig macht. Durch die Briefe werden die Ermittlungen immer wieder vorangetrieben und sie geben dem Buch auch den englischen Originaltitel „Letters from a Murderer“.

Was meines Erachtens jedoch leider gar nicht funktioniert, ist das Ausspielen der gegensätzlichen Charaktere der Ermittler. Zwar wird erwähnt, dass Argenti Jameson zunächst nicht so sympathisch findet, und auch bei ihrer ersten gemeinsamen Befragung findet er dessen Verhalten mehr als nur seltsam, aber damit ist dieser Aspekt auch schon im Wesentlichen abgefrühstückt. Die beiden Ermittlerfiguren bleiben sehr blass, was meiner Meinung nach daran liegt, dass erst sehr spät auch auf Jamesons Gefühle und Einstellungen eingegangen wird.

Die Ripper-Morde in New York haben allerdings einen historischen Hintergrund. 1891 wurde in Manhattan eine ermordete Prostituierte gefunden, die ähnlich verstümmelt war wie die Opfer in London. Die Londoner Polizei schloss damals jedoch einen Zusammenhang aus.

Leseprobe: http://www.randomhouse.de/Paperback/Stadt-in-Angst-Historischer-Kriminalroman/John-Matthews/e446016.rhd

Fazit: Ein solide und spannend konstruierter Fall mit für mich leider zu blassen Hauptfiguren.

Rezension: „Das Geheimnis der Lady Audley“

Das Geheimnis der Lady Audley Autorin: Mary Elizabeth Braddon (übersetzt und bearbeitet von Anja Marschall)
Erschienen in bearbeiteter Version von 2014 bei Dryas (www.dryas.de), ISBN Taschenbuch 978-3-940855-47-3, ISBN E-Book 978-3-941408-53-1, ungekürzt 1998 bei dtv (www.dtv.de) und im Original 1862 auf Englisch im Sixpenny Magazine von Maxwell bzw. neu aufgelegt bei Wordsworth Classics.

Der erste Satz: Das Herrenhaus von Audley Court verbarg sich in einem Tal mit prächtigen alten Bäumen und üppigen Weiden.

Als der Onkel des Londoner Anwalts Robert Audley wieder heiratet, und zwar die deutlich jüngere, wunderschöne Lucy Graham, besucht Robert ihn mit seinem Freund George, um die neue Lady Audley kennenzulernen. Doch offensichtlich kennen sich George und Lucy, und es scheint ihm, als würde Lucy ein dunkles Geheimnis umgeben. Doch bevor Robert mehr darüber erfahren kann, reist George überstürzt ab – in London kommt er aber nie an. Robert macht sich auf die Suche nach seinem Freund und gelangt bald zu der Überzeugung, dass er ihn nur finden kann, wenn er das Geheimnis lüftet, das Lucy Graham so sorgfältig hütet.

Die Autorin dieses viktorianischen Thrillers mit Gänsehautgarantie wurde 1837 (oder 1835, je nach Quelle) in London geboren. Ihre Eltern trennten sich, und die Liebe ihres Lebens, der Verleger John Maxwell, war bereits verheiratet, als sie ihn kennenlernte. So sind Scheidung, Bigamie und Ehebruch ein häufiges Thema ihrer Romane. Bis zu ihrem Tod 1915 schrieb sie über 80 Romane – die genaue Zahl ist nicht bekannt, da sie auch unter Pseudonym veröffentlichte und man daher bei einigen Texten nicht sicher ist, ob sie ihr zuzuordnen sind.

Braddon galt als die „Queen of Suspense“ ihrer Zeit, zu ihren Lesern gehörten Alfred Tennyson, Oscar Wilde oder Charles Dickens. Ihre Geschichten sind zeitlos spannend, nur ihr Schreibstil war sehr mit ihrer Epoche verhaftet. Daher wurde ihr Buch „Lady Audley’s Secret“ 2014 im Dryas Verlag von Anja Marschall neu übersetzt und dabei vorsichtig bearbeitet, so dass der Focus wieder auf der Geschichte liegt, man den viktorianischen Stil zwar noch sehr gut spürt, er aber nicht mehr stört, z. B. die ausufernde Länge der Landschaftsbeschreibungen. Geblieben ist auf jeden Fall die sprachliche Ironie wie beispielsweise in der Berufsbeschreibung von Robert Audley: „Robert Audley war angeblich Advokat. […] Sein Vater hatte ihm vierhundert Pfund im Jahr hinterlassen, und seine Freunde hatten ihm geraten, diesen Betrag durch den Eintritt in den Anwaltsstand zu vermehren. Und als er nach reiflicher Überlegung zu der Erkenntnis gelangt war, dass es weit mehr Mühe bereite, den Wünschen dieser Freunde zu widerstehen […], hatte er sich für Letzteres entschieden und nannte sich nun ohne irgendwelche Bedenken Advokat.“
Wer das Original auf Englisch lesen möchte, findet den gemeinfreien Text im Projekt Gutenberg: http://www.gutenberg.org/files/8954/8954-h/8954-h.htm

Leseprobe der Übersetzung: http://www.dryas.de/baker-street/das-geheimnis-der-lady-audley

Fazit: Viktorianische Geheimniskrämerei mit Gänsehautfaktor von der „Queen of Suspense“ der Epoche.

Rezension: „Die Frau in Schwarz“

Autorin: Susan Hill
Erschienen bei Knaur (www.droemer-knaur.de), ISBN Taschenbuch 978-3-426-50220-4, ISBN E-Book 978-3-426-41248-0, wurde auch verfilmt

Der erste Satz: Es war Heiligabend, halb zehn.cover_frauschwarz

Der Anwalt Arthur Kipps wird beauftragt, den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow durchzusehen. Dieser befindet sich im Haus der Verstorbenen – Eel Marsh House. Das Herrenhaus steht auf einer Insel im Watt und kann nur bei Ebbe über einen Damm erreicht werden. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes, in dem Arthur übernachtet, sind schockiert, als er von seinem Vorhaben berichtet, in Eel Marsh House zu übernachten. Sie wollen ihn dazu bewegen, so schnell wie möglich abzureisen. Doch Arthur möchte seinen Auftrag ausführen, fährt hinüber zur Insel und übernachtet im Herrenhaus. Was er dort erlebt, ist Gothic Horror der besten Qualität: huschende Schatten, Schreie in der Nacht, ein düsteres Geheimnis und ein sehr, sehr rachsüchtiger Geist.

Das Buch ist, für das Genre klassisch, in der Ich-Perspektive geschrieben, Arthur Kipps berichtet Jahre später von seinen Erlebnissen. Heute wird in vielen Büchern und vor allem auch Filmen Horror oft mit Ekel verwechselt – daher Hut ab vor Frau Hill, denn ihr Buch kommt ohne jeden Ekel-Effekt aus, dennoch ist Gänsehaut garantiert. Vor allem das Ende ist bitterböse und jagt einem einen Schauder über den Rücken. Daher genau das richtige Buch für einen dunklen Abend zwischen den Jahren bei Kerzenlicht.

Susan Hills Roman ist bereits 1983 erschienen und wurde 2012 mit Daniel Radcliffe als Arthur Kipps verfilmt. Auch der Film ist sehenswert und fängt die viktorianische Gruselstimmung sehr gut ein. Daniel Radcliffe schafft es, gar nicht an Harry Potter zu erinnern – eine reife Leistung, da er mit dieser Rolle doch eng verknüpft ist. Interessanterweise wurde für den Film die Geschichte an einer entscheidenden Stelle geändert, was zu einem anderen Ende führt. Das neue Ende ist aber ebenso bitterböse wie das im Buch.

Leseprobe

Fazit: Das Buch bietet beste Gruselstimmung für dunkle Abende. Absolute Leseempfehlung für Gothic-Fans.

Rezension: Der Teufel von New York

cover_teufelvonnewyorkAutorin: Lindsay Faye
Erschienen bei dtv (www.dtv.de), ISBN Taschenbuch 978-3-423-24993-5, ISBN E-Book 978-3-423-42043-3, ISBN Hörbuch 978-3-86231-319-8 (erschienen bei Der Audio Verlag)

Der erste Satz: Als ich an meinem Schreibtisch im Gefängnis The Tombs den ersten Bericht verfasste, begann ich so: In der Nacht des 21. August 1845 entfloh eines der Kinder.

Der Erzähler, Timothy Wilde, verliert bei einem Brand seinen Besitz und seine Arbeit. Sein Bruder Valentine, ein wichtiges Mitglied der Demokraten und somit Gast auf vielen Hochzeiten, organisiert ihm eine Anstellung als Polizist der 1845 neu gegründeten New Yorker Polizei. Eine Institution, der allerdings nur Ablehnung entgegengebracht wird; die New Yorker wollen sich nicht überwachen lassen und die meisten Polizisten standen vorher auf der anderen Seite des Gesetzes, sind daher nicht wirklich vertrauenswürdig. So nimmt Timothy den Job auch eher widerwillig an. Doch dann läuft ihm eines Nachts ein kleines Mädchen in einem blutbeschmierten Nachthemd in die Arme. Was die Kleine gesehen hat, ist nicht viel und es scheint unglaubwürdig, aber das Blut ist real und es ist nicht von ihr. Das Geheimnis lässt Timothy keine Ruhe. Er beginnt zu ermitteln.

Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf den Brand, der die Ursache für Timothys neuen Job war. Ich hatte beim Lesen etwas Mühe, bei der Vielzahl an Figuren, Orten und Einrichtungen, Sympathie für den Erzähler zu entwickeln. Wem es auch so geht, dem sei unbedingt empfohlen weiterzulesen. Timothy ist ein sehr spröder Mensch, der einem aber im Laufe des Falles ans Herz wächst und in den man sich immer besser hineinfinden kann. Ein genialer Ermittler, der ohne jegliche Allüren auskommt.

Seine Ermittlungsarbeit ist daher solide und immer gut nachvollziehbar, es tauchen keine Figuren aus dem Nichts auf und im Prinzip war alles, was man wissen musste, schon von Anfang an bekannt – also ein handwerklich überaus gekonnt gestrickter Fall. Trotzdem kommt die Lösung überraschend und sieht anders aus, als in Krimis üblich. Also ein Buch, dass man besonders auch Krimi-Kennern empfehlen kann.

„Der Teufel von New York“ ist übrigens der erste Fall von Timothy Wilde, der zweite Roman ist bereits bei dtv erschienen und trägt den Titel „Die Entführung der Delia Wright“.

Fazit: Ein spröder Ermittler, der nach und nach seine Seele enthüllt und Morde mit unerwarteter Auflösung.

Rezension: Teufelsgrinsen

cover_teufelsgrinsenAutorin: Annelie Wendeberg. Erschienen bei Kiepenheuer und Witsch (www.kiwi-verlag.de), ISBN Taschenbuch 978-3-462-04643-4,ISBN E-Book 978-3-462-30772-6

Der erste Satz: Endlich finde ich die Ruhe, das niederzuschreiben, was enthüllt werden muss.

Um Ende des 19. Jahrhunderts in London als Arzt anerkannt zu werden, übt Anna Kronberg den Beruf als Mann verkleidet aus. Als Dr. Anton Kronberg, angesehener Epidemiologe, wird sie zu einem rätselhaften Leichenfund gerufen – und trifft dort auf Sherlock Holmes. Holmes durchschaut ihre Verkleidung und ist fasziniert von ihrem messerscharfen Verstand. Gemeinsam beginnen sie zu ermitteln und gehen sich gegenseitig sehr wohl auf die Nerven, was zu witzigen Dialogen führt. Schlussendlich siegt aber der gegenseitige Respekt.

Der Fall ist spannend, das Buch gewinnt aber vor allem durch die Figurenkonstellation – zwei sehr spröde, brillante Köpfe, die nur gemeinsam weiterkommen, aber eigentlich am liebsten allein arbeiten. Was mich persönlich am Anfang lange hat zögern lassen, das Buch in die Hand zu nehmen, ist das inzwischen schon sehr oft gebrauchte Motiv der Frau, die sich als Mann verkleiden muss, um in der Männergesellschaft zu bestehen. Das ist aber Geschmackssache, und so, wie es in die Geschichte integriert ist, ist es glaubwürdig.

Sehr viel schwieriger war die Aufgabe, die sich die Autorin gestellt hat, indem sie zwei so ähnliche Charaktere zu Hauptfiguren machte – Anna und Sherlock, zwei intelligente, aber sehr eigenwillige Figuren. Wunderbar gelöst hat sie das Problem jedoch dadurch, dass sich beide mit ihrer jeweiligen Art, die der eigenen ja sehr ähnlich ist, auf die Nerven fallen. Eine sehr schöne Idee, die überaus gut funktioniert.

„Teufelsgrinsen“ war nicht der letzte Fall des Duos, Teil zwei ist bereits unter dem Titel „Tiefer Fall“ erschienen.

Fazit: Eine gut erzählte Geschichte, die von dem Ermittlerduo lebt. Das Motiv, der Frau, die sich als Mann verkleidet, um beruflich weiter zu kommen, ist zwar nicht neu, aber sehr lesenswert umgesetzt.

Rezension: Inspector Swanson und der Fluch des Hope Diamanten

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Autor: Robert C. Marley

Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), ISBN Taschenbuch 978-3-940855-53-4, ISBN E-Book 978-3-941408-65-4

Der erste Satz: Die Zeit der Kerzen und der Gemütlichkeit.

Vorweg: Wenn ich über dieses Buch schreibe, bin ich voreingenommen, denn es ist im Dryas Verlag erschienen, somit war ich an der Veröffentlichung beteiligt. Und es ist ein großartiges Buch geworden, inhaltlich wie äußerlich!
Der Roman beginnt mit dem Mord an einem Goldschmied – ein Fall für Inspector Donald Sutherland Swanson von Scotland Yard. Swanson ist ein erfahrener Polizist, der, wie der Leser erfährt, auch schon bei den Ripper-Morden mit ermittelte, daher wird er nun auf diesen sehr verzwickten Fall angesetzt. Ihm zur Seite steht sein noch unerfahrener Assistent und im Laufe der Erzählung auch Oscar Wilde – nicht immer zur Freude von Swanson, aber wer kann Oscar Wilde schon stoppen, wenn dieser sich etwas in den Kopf gesetzt hat.
Der Fall wird immer mysteriöser und neue Morde kommen hinzu. Sehr schön sind die kleinen Anekdoten und Begegnungen im Laufe der Geschichte. Z.B. die mit Arthur Conan Doyle. Oder die Szene, als der bis eben noch unerfahrene Assistent das Schlafzimmer eines umso erfahreneren Mordopfers durchsucht und dabei auf merkwürdige Objekte wie Fesseln und Kugeln stößt.
Ich bin ein großer Oscar-Wilde-Fan und kenne seine Aphorismen auswendig. Daher ist es für mich eines der Highlights des Buches, wie der Autor es immer wieder schafft, diese in die Dialoge einzubinden, ohne dass es gestellt wirkt.
Die Hauptfigur des Inspector Swanson gab es übrigens wirklich. Der Autor hatte das Vergnügen, dessen Enkel kenne zu lernen – der sich im Übrigen sehr über die fiktiven Abenteuer seines Großvaters freut.
Ein Erzählung mit viel Humor, liebenswerten Charakteren und einer bis zum Schluss spannenden Geschichte.
Außerdem ein Buch, dass einfach schön anzusehen ist. Zwischen die Kapitel wurden kleine Illustrationen gesetzt, die beim Lesen für Atmosphäre sorgen. Das Highlight ist der blaue Farbschnitt des Buches, d.h. die Seitenränder sind blau eingefärbt. Das ist nicht nur optisch schön, sondern es sorgt für ein leises Knistern beim Umblättern. Übrigens: Bei einem Rundum-Farbschnitt kleben die Seiten leicht zusammen. Einfach einmal mit leichtem Druck mit dem Daumen über den Buchblock gehen, dann sind sie gelockert.

Übrigens: Inspector Swanson ermittelt weiter. Der nächste Roman erscheint im Mai 2015 und heißt „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“.

Leseprobe

Fazit: Englischer Humor und Figuren mit viel britischem Understatement, die einem schnell sympathisch sind. Außerdem ein Fall, der bis zum Schluss mysteriös bleibt.