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Rezension: Der Teufel von New York

cover_teufelvonnewyorkAutorin: Lindsay Faye
Erschienen bei dtv (www.dtv.de), ISBN Taschenbuch 978-3-423-24993-5, ISBN E-Book 978-3-423-42043-3, ISBN Hörbuch 978-3-86231-319-8 (erschienen bei Der Audio Verlag)

Der erste Satz: Als ich an meinem Schreibtisch im Gefängnis The Tombs den ersten Bericht verfasste, begann ich so: In der Nacht des 21. August 1845 entfloh eines der Kinder.

Der Erzähler, Timothy Wilde, verliert bei einem Brand seinen Besitz und seine Arbeit. Sein Bruder Valentine, ein wichtiges Mitglied der Demokraten und somit Gast auf vielen Hochzeiten, organisiert ihm eine Anstellung als Polizist der 1845 neu gegründeten New Yorker Polizei. Eine Institution, der allerdings nur Ablehnung entgegengebracht wird; die New Yorker wollen sich nicht überwachen lassen und die meisten Polizisten standen vorher auf der anderen Seite des Gesetzes, sind daher nicht wirklich vertrauenswürdig. So nimmt Timothy den Job auch eher widerwillig an. Doch dann läuft ihm eines Nachts ein kleines Mädchen in einem blutbeschmierten Nachthemd in die Arme. Was die Kleine gesehen hat, ist nicht viel und es scheint unglaubwürdig, aber das Blut ist real und es ist nicht von ihr. Das Geheimnis lässt Timothy keine Ruhe. Er beginnt zu ermitteln.

Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf den Brand, der die Ursache für Timothys neuen Job war. Ich hatte beim Lesen etwas Mühe, bei der Vielzahl an Figuren, Orten und Einrichtungen, Sympathie für den Erzähler zu entwickeln. Wem es auch so geht, dem sei unbedingt empfohlen weiterzulesen. Timothy ist ein sehr spröder Mensch, der einem aber im Laufe des Falles ans Herz wächst und in den man sich immer besser hineinfinden kann. Ein genialer Ermittler, der ohne jegliche Allüren auskommt.

Seine Ermittlungsarbeit ist daher solide und immer gut nachvollziehbar, es tauchen keine Figuren aus dem Nichts auf und im Prinzip war alles, was man wissen musste, schon von Anfang an bekannt – also ein handwerklich überaus gekonnt gestrickter Fall. Trotzdem kommt die Lösung überraschend und sieht anders aus, als in Krimis üblich. Also ein Buch, dass man besonders auch Krimi-Kennern empfehlen kann.

„Der Teufel von New York“ ist übrigens der erste Fall von Timothy Wilde, der zweite Roman ist bereits bei dtv erschienen und trägt den Titel „Die Entführung der Delia Wright“.

Fazit: Ein spröder Ermittler, der nach und nach seine Seele enthüllt und Morde mit unerwarteter Auflösung.

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Rezension: Teufelsgrinsen

cover_teufelsgrinsenAutorin: Annelie Wendeberg. Erschienen bei Kiepenheuer und Witsch (www.kiwi-verlag.de), ISBN Taschenbuch 978-3-462-04643-4,ISBN E-Book 978-3-462-30772-6

Der erste Satz: Endlich finde ich die Ruhe, das niederzuschreiben, was enthüllt werden muss.

Um Ende des 19. Jahrhunderts in London als Arzt anerkannt zu werden, übt Anna Kronberg den Beruf als Mann verkleidet aus. Als Dr. Anton Kronberg, angesehener Epidemiologe, wird sie zu einem rätselhaften Leichenfund gerufen – und trifft dort auf Sherlock Holmes. Holmes durchschaut ihre Verkleidung und ist fasziniert von ihrem messerscharfen Verstand. Gemeinsam beginnen sie zu ermitteln und gehen sich gegenseitig sehr wohl auf die Nerven, was zu witzigen Dialogen führt. Schlussendlich siegt aber der gegenseitige Respekt.

Der Fall ist spannend, das Buch gewinnt aber vor allem durch die Figurenkonstellation – zwei sehr spröde, brillante Köpfe, die nur gemeinsam weiterkommen, aber eigentlich am liebsten allein arbeiten. Was mich persönlich am Anfang lange hat zögern lassen, das Buch in die Hand zu nehmen, ist das inzwischen schon sehr oft gebrauchte Motiv der Frau, die sich als Mann verkleiden muss, um in der Männergesellschaft zu bestehen. Das ist aber Geschmackssache, und so, wie es in die Geschichte integriert ist, ist es glaubwürdig.

Sehr viel schwieriger war die Aufgabe, die sich die Autorin gestellt hat, indem sie zwei so ähnliche Charaktere zu Hauptfiguren machte – Anna und Sherlock, zwei intelligente, aber sehr eigenwillige Figuren. Wunderbar gelöst hat sie das Problem jedoch dadurch, dass sich beide mit ihrer jeweiligen Art, die der eigenen ja sehr ähnlich ist, auf die Nerven fallen. Eine sehr schöne Idee, die überaus gut funktioniert.

„Teufelsgrinsen“ war nicht der letzte Fall des Duos, Teil zwei ist bereits unter dem Titel „Tiefer Fall“ erschienen.

Fazit: Eine gut erzählte Geschichte, die von dem Ermittlerduo lebt. Das Motiv, der Frau, die sich als Mann verkleidet, um beruflich weiter zu kommen, ist zwar nicht neu, aber sehr lesenswert umgesetzt.

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Rezension: Inspector Swanson und der Fluch des Hope Diamanten

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Autor: Robert C. Marley

Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), ISBN Taschenbuch 978-3-940855-53-4, ISBN E-Book 978-3-941408-65-4

Der erste Satz: Die Zeit der Kerzen und der Gemütlichkeit.

Vorweg: Wenn ich über dieses Buch schreibe, bin ich voreingenommen, denn es ist im Dryas Verlag erschienen, somit war ich an der Veröffentlichung beteiligt. Und es ist ein großartiges Buch geworden, inhaltlich wie äußerlich!
Der Roman beginnt mit dem Mord an einem Goldschmied – ein Fall für Inspector Donald Sutherland Swanson von Scotland Yard. Swanson ist ein erfahrener Polizist, der, wie der Leser erfährt, auch schon bei den Ripper-Morden mit ermittelte, daher wird er nun auf diesen sehr verzwickten Fall angesetzt. Ihm zur Seite steht sein noch unerfahrener Assistent und im Laufe der Erzählung auch Oscar Wilde – nicht immer zur Freude von Swanson, aber wer kann Oscar Wilde schon stoppen, wenn dieser sich etwas in den Kopf gesetzt hat.
Der Fall wird immer mysteriöser und neue Morde kommen hinzu. Sehr schön sind die kleinen Anekdoten und Begegnungen im Laufe der Geschichte. Z.B. die mit Arthur Conan Doyle. Oder die Szene, als der bis eben noch unerfahrene Assistent das Schlafzimmer eines umso erfahreneren Mordopfers durchsucht und dabei auf merkwürdige Objekte wie Fesseln und Kugeln stößt.
Ich bin ein großer Oscar-Wilde-Fan und kenne seine Aphorismen auswendig. Daher ist es für mich eines der Highlights des Buches, wie der Autor es immer wieder schafft, diese in die Dialoge einzubinden, ohne dass es gestellt wirkt.
Die Hauptfigur des Inspector Swanson gab es übrigens wirklich. Der Autor hatte das Vergnügen, dessen Enkel kenne zu lernen – der sich im Übrigen sehr über die fiktiven Abenteuer seines Großvaters freut.
Ein Erzählung mit viel Humor, liebenswerten Charakteren und einer bis zum Schluss spannenden Geschichte.
Außerdem ein Buch, dass einfach schön anzusehen ist. Zwischen die Kapitel wurden kleine Illustrationen gesetzt, die beim Lesen für Atmosphäre sorgen. Das Highlight ist der blaue Farbschnitt des Buches, d.h. die Seitenränder sind blau eingefärbt. Das ist nicht nur optisch schön, sondern es sorgt für ein leises Knistern beim Umblättern. Übrigens: Bei einem Rundum-Farbschnitt kleben die Seiten leicht zusammen. Einfach einmal mit leichtem Druck mit dem Daumen über den Buchblock gehen, dann sind sie gelockert.

Übrigens: Inspector Swanson ermittelt weiter. Der nächste Roman erscheint im Mai 2015 und heißt „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“.

Leseprobe

Fazit: Englischer Humor und Figuren mit viel britischem Understatement, die einem schnell sympathisch sind. Außerdem ein Fall, der bis zum Schluss mysteriös bleibt.