Interview mit Laila Görlich, Gründerin von Lokibo

Von links nach rechts die Gründer von Lokibo: Patrick Görlich, Laila Görlich, Michael Kehrwecker
Von links nach rechts die Gründer von Lokibo: Patrick Görlich, Laila Görlich, Michael Kehrwecker

Vor Kurzem habe ich in meinem Blog einige automatische Buchempfehlungsseiten vorgestellt. Am meisten überzeugt hat mich hier das Buchempfehlungs-Portal Lokibo (http://www.lokibo.de/) aus Bretten. Eine der Gründer der Seite, Laila Görlich, hat mir freundlicherweise einige Frage zu der Idee und der Zukunft von Lokibo beantwortet:

Eyre: Wie kam es zur Gründung von Lokibo?

Laila Görlich: Wir drei sind begeisterte Leser und oft auf der Suche nach neuen Romanen. Dabei konnten uns die bisherigen Angebote (offline und online) nicht so individuell weiterhelfen, wie wir es uns gewünscht hätten – und daraus ist dann „irgendwie“ unsere Idee entstanden.

Eyre: Wo findet Lokibo die Bücher, die empfohlen werden?

Laila Görlich: Im ersten Schritt muss jeder Nutzer zunächst einen Roman bewerten, der ihm gut gefallen hat. Das hilft einerseits dem Nutzer, da wir dadurch seinen Romangeschmack kennenlernen und ihm passende Romane empfehlen können. Andererseits füllt sich so aber auch unsere Datenbank mit Büchern, da diese Bewertungen auch an deren Nutzern für ihre Suche zur Verfügung stehen.

Eyre: Gibt es Pläne für die Zukunft von Lokibo?

Laila Görlich: Ganz klar, die gibt es. Unsere Webseite ist so, wie sie ist, keineswegs final. Wir haben noch sehr viele To-do-Punkte für Verbesserungen und Erweiterungen unserer Seite auf unserer Liste stehen, an denen wir fleißig arbeiten und die wir nach und nach online stellen wollen. So wollen wir unseren Lesern beispielsweise in naher Zukunft andere Leser vorschlagen, denen ähnliche Romane gefallen. Auf dem Profil dieser Leser entdeckt vielleicht der ein oder andere Nutzer wiederum einen Roman, der auch ihm gefallen könnte … Das nur als Beispiel – es warten also noch viele Ideen darauf, umgesetzt zu werden. 🙂

[Tweet „Interview mit Laila Görlich, Gründerin von Lokibo @Eyre_und_Mops“]

Die unbegrenzte Auswahl: EBook-Flatrates

ebookreaderEs soll Menschen geben, die träumen davon, nachts einmal in einer Bibliothek oder einem Buchladen eingeschlossen zu werden. Ich muss gestehen, ich gehöre dazu, am besten in einen Buchladen mit Café und Confiserie.

Ebendieser Wunschvorstellung kommen E-Book-Flatrates entgegen. So viele Bücher, wie man nur lesen kann, einfach auf Knopfdruck. Flatrates – ein Service, der bei Musik, Hörbüchern und Filmen schon seit Langem angeboten wird, nur bei Büchern ist er noch nicht selbstverständlich.

Angebote in der Richtung gibt es allerdings in Deutschland schon, wie amazon Prime, wo aber nur ein Buch pro Monat kostenlos ausgeliehen werden darf. Dann natürlich die Online-Leihe der Stadtbibliotheken, d. h. als Nutzer einer an das System angeschlossenen Stadtbibliothek kann man EBooks ausleihen – falls diese nicht gerade von jemand anderem ausgeliehen sind, was den Spaß an der Sache deutlich verringert, da die interessanten Bücher leider meist schon verliehen sind. Ohne diese Restriktion kommt Skoobe aus (www.skoobe.de – „skoobe“ heißt „EBooks“, spiegelverkehrt geschrieben), eine erste klassische EBook-Flatrate, bei der monatlich unbegrenzt viele Bücher ausgeliehen werden können, allerdings immer nur fünf auf einmal.

Komplett kostenlos ist das Lesen von EBooks bei Readfy (www.readfy.com), insofern man sich nicht an der Werbung stört, die das Projekt finanziert. Ebenfalls kostenlos, dafür aber in der Auswahl auf gemeinfreie Klassiker beschränkt, das Projekt Gutenberg (http://gutenberg.spiegel.de/).

Und nun meldet sich Bastei Lübbe, der Verlag von Ken Follet, Dan Brown und Romanheft-Serien zu Wort. Auch dort möchte man eine Flatrate für E-Books ins Leben rufen, und zwar soll das EBook-Portal beam-ebooks.de dazu umgebaut werden. Denn, so die Vermutung, gerade für die Übertragung des Heftroman-Konzepts, welches den Verlag nach seiner Gründung groß gemacht hat, in die digitale Welt, ist eine Flatrate geradezu verpflichtend. Und auf beam eBooks wird es nicht nur das EBook, sondern auch gleich das Hörbuch als Flatrate geben. Geplant ist der Start für das Jahr 2016, zunächst einmal mit deutschen und englischen Inhalten, im Jahr 2017 kommen spanische Texte und 2018 Mandarin hinzu. Die ganze Welt auf einen Knopfdruck und die neuste Folge der Lieblingsserie zum Download.

Klingt verlockend, und das sind die derzeitigen Modelle für den Leser auch. Positiv ist also, dass solche Flatrates gefragt sind und es tatsächlich noch Menschen gibt, die davon träumen, mit unendlich vielen Büchern ihre Zeit zu verbringen. Weniger schön wird das Modell aber, wenn wir uns ansehen, was bei den Autoren finanziell hängen bleibt. Das kann sich jeder selbst ausrechnen, wenn er beispielsweise eine Flatrate für unter 10 Euro im Monat bucht und dafür fünf Bücher ausleiht, für die er beim Kauf insgesamt 50 Euro bezahlt hätte. Die Musikindustrie hat die Entwicklung ja bereits vorweggenommen – es wird eine winzige Elite gut bezahlter Autoren geben, deren Bücher nicht nur ausgeliehen, sondern auch gekauft werden. Und es wird viele, viele Autoren geben, für die das Schreiben eine Nebentätigkeit bleiben muss, unabhängig von ihrem Talent. Eigentlich war das die Situation, die man vermeiden wollte, als man sich das Urheberrecht ausdachte. Dies ist zwar weiterhin in Kraft, doch es hat nicht dazu geführt, dass das Produzieren von Kunst wie Arbeit bezahlt wird – leider!

Was soll ich bloß lesen? – Antworten offline und online

Da steht man vor seinem SUB (Stapel ungelesener Bücher), und obwohl alle Bücher, die sich dort befinden, ja dorthin gewandert sind, weil man sie noch lesen möchte, kann man sich trotzdem nicht dazu durchringen, auch nur eines davon in die Hand zu nehmen. Irgendwie hat man gerade Lust auf etwas anderes. Etwas, das beispielsweise zu dem Krimi passt, den man eben zu Ende gelesen hat – oder nach so viel Mord und Totschlag doch lieber etwas fürs Herz?

garrett-library

Wie immer ist es schön, dass man nicht die einzige Person auf Erden ist, die sich mit diesem Problem herumschlägt, und es daher auch jede Menge Lösungsangebote gibt. Einige davon stelle ich im Folgenden vor. Starten wir mal mit den Möglichkeiten im Netz.

Eine Möglichkeit, sich Buchtipps zu holen, sind Lese-Communities wie Lovelybooks (www.lovelybooks.de, Plattform, mit der Holtzbrink Verlagsgruppe als Hauptinvestor. Buchpräsentationen sind kostenlos und jeder darf sie einstellen) und »Was liest du?« (http://wasliestdu.de/, Plattform der Mayerschen Buchhandlung, Buchpräsentationen werden vom Einkauf der Buchhandlung festgelegt und sind kostenpflichtig). Oder Plattformen, die sich bestimmten Genres widmen, wie die Histo-Couch (www.histo-couch.de) dem historischen Roman oder „Mord vor Ort“ (www.mord-vor-ort.de) dem Regionalkrimi.

Sehr persönlich sind die Empfehlungen von Buchbloggern. Hier besagt der Ehrenkodex, dass kein Geld für die Vorstellung eines Buches fließen darf und die Auswahl ganz allein bei der Bloggerin oder dem Blogger liegt. Einige Buchblogs stellt der Dryas Verlag aus seiner Bloggerseite vor: bloggerrunde.dryas.de/blogger.

Und dann gibt es da natürlich auch die automatisch generierten Empfehlungen wie z. B. bei amazon, die auf den letzten Käufen und Klicks des jeweils eingeloggten Nutzers basieren. Inhaltlich Ähnliches ohne Kenntnisse über das Kaufverhalten des jeweiligen Nutzers wird auf der englischsprachigen Plattform »What should I read next« (http://www.whatshouldireadnext.com/) empfohlen. Ich muss gestehen, dass mich deren Automatismus leider nicht überzeugt hat. Die Selektionskriterien sind nicht immer wirklich einleuchtend. Wenn ich Bücher ähnlich wie »Dracula« suche, bekomme ich zwar auch »Frankenstein«, aber ebenfalls »Zwanzig Jahre später«, den zweiten Band der »Drei Musketiere« von Alexandre Dumas. Vermutlich wurde hierbei davon ausgegangen, dass man auch nach »Klassikern« sucht, ich persönlich hätte mir in diesem Fall aber eher eine Empfehlung für eine weitere Vampirgeschichte gewünscht.

Wesentlich besser hat hier für mich das deutsche Pendant Lokibo (www.lokibo.de) abgeschnitten. Hier erfolgt die Empfehlung nicht nur auf Grundlage eines eingegebenen Titels, man muss auch einige Fragen zu den inhaltlichen Schwerpunkten beantworten, wodurch die Resultate ungleich besser sind und bei Titeln wie »Dracula« z. B. auch die Vampir-Saga von Anne Rice oder die Twilight-Reihe empfohlen wird. Wobei man sich natürlich darüber streiten kann, ob bei der Suche nach Dracula, dem Fürsten der Finsternis, Edward, der funkelnde Teenie-Vampir, die richtig Wahl ist:)

Eine interessante Variante sind Empfehlungsplattformen, die nach Ländern empfehlen. Wer also den magischen Realismus Kolumbiens liebt, kann sich dort weitere Literaturempfehlungen Kolumbien betreffend holen. Oder sich literarisch auf das nächste Reiseziel vorbereiten. Auch hier gibt es ein englischsprachiges und ein deutschsprachiges Pendant: »Where should I read next« (http://www.whereshouldireadnext.com) und »Handlungsreisen« (http://www.handlungsreisen.de/). »Handlungsreisen« konzentriert sich hierbei eher auf Empfehlungen für europäische Länder – die Kontinente Amerika und Afrika werden ganz ausgespart. »Where should I read next« hat für mich somit die Nase vorn, denn hier findet man wirklich Empfehlungen für jedes Land, wie z. B. auch Grönland, Bhutan oder Syrien.

Doch ich muss gestehen, die passendsten Buchempfehlungen habe ich bisher immer von Freunden bekommen – oder von Buchhändlern, die ihren Job lieben. Trotzdem haben natürlich auch die digitalen Empfehlungen auf das eine oder andere Buch neugierig gemacht, und so ist das Resultat dieses Blogbeitrags, dass mein SUB belegt inzwischen sein eigenes Billy-Regal besitzt.

Der Mops und sein Erzfeind

Mops mit BambusWir wissen nicht, was er ihm getan hat, aber es hat ihre Beziehung nachhaltig zerstört. Der Mops hasst den Zimmerbambus! Vielleicht wurde er von ihm mit Blättern beworfen, vielleicht stört er sich auch nur an der Gelassenheit der Pflanze, die weder auf freundliche Aufforderung zum Spiel noch auf offensives Anpöbeln reagiert.

Jedenfalls versuchte er schon als Welpe, dem Gewächs Schaden zuzufügen, obwohl er damals kaum über den Rand des Blumentopfes gucken konnte. Inzwischen hat sich dieses Problem erledigt und er wird nie müde, seine Rache auszuüben. Schon morgens, noch im Halbschlaf, ist der Bambus ein kurzes, drohendes Bellen wert. Mittags steigert sich das dann zu tätlichen Angriffen und nicht selten trägt er bei der Mittags-Gassirunde stolz einen Bambuszweig als Symbol seines Sieges im Maul. Abends gibt es dann kein Halten mehr und die Zimmerpflanze wird mit einem erneuten Angriff und Gebell verabschiedet. Nicht, dass sie sich über Nacht noch Freiheiten herausnimmt!

Der Baum nimmt es gelassen. Es ist ihm einfach keine Reaktion zu entlocken, und so hatte ich lange Zeit die Hoffnung, dass dies auch irgendwann dem Büromops klar werden wird. Vermutlich weiß er das auch – aber was wäre das Leben ohne Dinge, über die man sich aufregen kann. So bleibt es beim täglichen Kampf mit dem Erzfeind.

Neulich fiel seine Mittagsattacke sogar derart verheerend aus, dass er diesmal keinen Zweig mit auf die Gassirunde nahm, sondern ein Stück Wurzel. Für mich ein Zeichen, dass die Stoik des Baumes ihn nicht mehr lange retten wird und ich ihn bald durch eine neue Pflanze ersetzen muss. Es wird sich zeigen, ob diese dann den Platz des Erzfeinds einnehmen darf oder nicht für würdig befunden wird. Außer dem Bambus stünde auch noch ein Ficus zur Auswahl, doch der wurde vom Mops nie als ebenbürtiger Gegner angesehen und wird daher stets ignoriert.

Vielleicht lernt der Mops eines Tages, sich nicht über Dinge zu ärgern, die er nicht ändern kann, wie zum Beispiel, dass der Bambus auf seine Kontaktversuche einfach nicht reagiert. Andererseits ist das etwas, was er sicher nicht von seinem Frauchen lernen kann, und so hat das arme Tier schlechte Karten.

Gegen den Schmerz anspielen: Health Games

Schon immer wurde mit dem Erzählen von Geschichten Wissen vermittelt, es wurden praktische Kenntnisse weitergegeben, soziale und moralische Werte festgelegt oder Informationen über Zusammenhänge und Auswirkungen festgehalten. Doch neben dieser erkennbaren Form der Beeinflussung haben Geschichten auch eine psychologische Auswirkung auf ihre Zuhörer – Autoren und Leser wissen das. Hierbei ist es egal, ob es sich um ein hochliterarisches Werk eines Nobelpreisträgers oder eine Adelsgeschichte vom Bahnhofskiosk handelt. Beide haben eine Wirkung – die eine vielleicht eher auf den analytischen Verstand, die andere aufs Herz.

Controller (Pixabay)

Der positive Effekt des Vorlesens am Krankenbett ist ebenfalls seit Langem bekannt und fast alle Kliniken haben ehrenamtliche Besuchsdienste, die den Patienten etwas vorlesen. Das dient der Entspannung, der Ablenkung vom Klinikalltag und von den Problemen der Krankheit.

Allerdings gibt es Patienten, deren Schmerzpegel so hoch ist, dass das bloße Vorlesen, das Erzählen, nicht ausreicht, um sie von all dem abzulenken. Der technisch nächste Schritt ist die multimedial verpackte Geschichte in Form eines Computerspiels. Seit 1995 entwickelt besonders die Firma „Firsthand“ sogenannte „Health Games“, also Computerspiele, die so einfach und intuitiv zu bedienen sind, aber gleichzeitig derart fesseln, dass sie Patienten von ihren Schmerzen ablenken können. Bekannt wurde besonders ihr Spiel „SnowWorld“, als es 2008 bei dem Veteranen Brown des Afghanistankrieges eingesetzt wurde. Brown hatte sehr schwere Verbrennungen erlitten und unter anderem das Wechseln der Verbände war für ihn eine Qual. Spielte er jedoch während dieser Prozedur „SnowWorld“, ging es ihm messbar besser. Ohne „SnowWorld“, das ergaben Studien, dachten die Patienten 76 Prozent der Zeit an die Schmerzen, mit dem Spiel aber nur 26 Prozent der Zeit. Denn die Beschäftigung mit dem Schmerz gibt diesem Bedeutung, und diese Bedeutung wiederum steigert die Schmerzwahrnehmung. So erklärt der Psychologe und Mitentwickler des Spiels Hunter Hoffman das Phänomen. Mehr zum Spiel auf der Internetseite von Firsthand: http://www.firsthand.com/services/pain.html

Auch die EU hat zwischen 2007 und 2011 ein entsprechendes Projekt zur Entwicklung von Health Games finanziert: Playmancer. Die daraus entstandenen Spiele werden vor allem bei psychischen Störungen wie z. B. Anorexie eingesetzt: http://cordis.europa.eu/project/rcn/85309_en.html

In Großbritannien setzt man auf Papier. Beispielsweise gegen Depressionen gibt es hier Bücher auf Rezept: http://info.arte.tv/de/grossbritannien-lesen-gegen-das-leiden

Diese Forschungen sind auch für Autoren interessant. Ihre Geschichten sind nicht nur spannend und vermitteln Wissen, sie können zudem auch heilen. Vielleicht lässt sich nach und nach genauer messen, welche Handlungsstränge welchen Einfluss auf bestimmte Krankheiten haben. Als Hobbypsychologin vermute ich einfach mal, dass die Romane von Stephan King nichts für Menschen mit Einschlafstörungen sind. Der Tierarzt James Herriot beschreibt in seiner Buchreihe „Der Doktor und das liebe Vieh“, dass für ihn das allesbeste Schlafmittel „Die Brüder Karamasow“ war. Schon einmal darüber nachgedacht, ob Ihr Lieblingsbuch vielleicht nicht einfach nur eine gute Geschichte ist, sondern Ihnen sogar eine heilende Wirkung beschert?

Bücher mit Flügeln: die Worldreader App

Ohne Bücher das Lesen zu erlernen, ist schwierig. Das ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache. Um lesen zu können, reicht es nicht aus, das jeweilige Schriftsystem des Landes verstanden zu haben, man muss auch üben. Und dazu benötigt man Geschriebenes. Der Zugang dazu stellt in Ländern mit guter Infrastruktur in der Regel kein Problem dar. Anders sieht es im Urwald Brasiliens oder in der Steppe Tansanias aus.

Leserin mit Smartphone. Copyright: www.worldreader.org
Leserin mit Smartphone. Copyright: www.worldreader.org

Der Transport von Büchern auf schlechten Straßen ist nicht einfach – vor allem, da Lebensmittel Vorrang haben. Aber Bücher sind nicht das Papier, auf dem sie gedruckt wurden, Bücher sind Ideen, und Ideen haben Flügel. Sie können über Funk- oder Satellitenverbindungen verschickt werden – die Grundidee der Worldreader App, die ich heute kurz vorstellen möchte: http://www.worldreader.org/.

Die Worldreader App existiert bereits seit 2009 und ist sie ein sehr schönes Beispiel, wie neue Möglichkeiten alte Probleme lösen können – und außerdem ein unterstützenswertes Projekt, dem ich hier gerne Platz einräume.

Ziel der Worldreader App ist es, eine möglichst einfache Plattform zu bieten, auf der kostenlos gelesen werden kann. Die Bücher, die dort zur Verfügung stehen, werden von Autoren oder Verlagen gespendet. Natürlich sinnvollerweise Werke in den Sprachen, die benötigt werden, weswegen sich auch keine deutschsprachigen Verlage und Autoren unter den Buchspendern befinden – aber vielleicht unter denen, die Geld gespendet haben, um das Projekt zu finanzieren.

Die App kann auf jedem internetfähigen Handy oder E-Reader heruntergeladen werden. Und einmalig alte Handys oder E-Reader an einen Ort mit Internetverbindung zu transportieren, ist einfacher, als regelmäßig Bücher vorzuhalten.

Ein interessanter Nebeneffekt der App, die nicht nur Leseanfängern genug Übungsmaterial zur Verfügung stellt und Lernenden Fachinformationen, ist ein neues Lesepublikum, das so erschlossen wird. Der Worldreader wird in 39 Ländern genutzt und 342.741 Personen lesen mindestens einmal im Vierteljahr damit. Kein kleines Publikum. Sicher, derzeit kein zahlendes Publikum und daher für Autoren und Verlage, die sich alle wirtschaftlich über Wasser halten müssen, nicht der wichtigste Markt. Aber vielleicht ist Literatur auf dem Smartphone für Regionen mit schlechter Infrastruktur ein Massenmarkt der Zukunft – denkbar wäre es.

Schließlich hat eine Studie der UN 2014 aufgezeigt, dass von sieben Milliarden Menschen auf der Welt sechs Milliarden Zugang zu einem Smartphone haben und die weltweite Netzabdeckung 95 % beträgt (http://unesdoc.unesco.org/images/0022/002274/227436e.pdf). Im Vergleich dazu haben nur 4,5 Milliarden Menschen Zugang zu einer Toilette.

Ich weiß, was du wissen willst: Empfehlungsalgorithmen für Texte

Empfehlung Das Internet vernetzt Menschen, ja, richtig. Das Internet stellt das Wissen der Welt zur Verfügung, auch richtig. Aber sind wir doch ehrlich: Am häufigsten wird das Internet zur Suche nach Katzenbildern oder in meinem Fall Hundebildern genutzt. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit man damit verbringen kann – natürlich besonders, wenn man eigentlich etwas anderes tun sollte.

Doch angenommen, die „Arbeit“ des Surfens wird einem abgenommen und man bekommt auf einer Seite gesammelte Hundebilder präsentiert – und dazu noch die besten Hundezeitschriften und die besten Hundeschulen und die schönsten Hundeurlaubsbilder und und und … All das, ohne sich durch störende Werbung oder andere Themen ablenken zu lassen. Natürlich wurde diese Idee bereits umgesetzt, mehrfach sogar, z. B. von Medium (www.medium.com) oder Prismatic (www.getprismatic.com). Die Portale funktionieren wie Facebook mit amazon-Empfehlungen für Texte aus dem Internet. Man gibt seine Interessengebiete ein, beispielsweise „digitales Publizieren“, und erhält entsprechende Empfehlungen. Technisch funktioniert das über die Verschlagwortung der Texte bzw. über ausgeklügelte textbasierte Such- und Empfehlungsalgorithmen.

Das bedeutet, ich muss in Zukunft nicht einmal mehr nach dem suchen, was mich interessiert, mein Info-Portal weiß das schon. Eine Vorstellung, die wie immer sowohl positive als auch negative Aspekte hat. Natürlich entgehen einem auf diese Weise wichtige Informationen nicht mehr, und wenn der Algorithmus gut ist, wovon wir jetzt einfach mal ausgehen, werden auch artverwandte Themen berücksichtigt. Doch komplett Fachfremdes kommt nicht in die Auswahl – die Erweiterung des Horizonts muss also mit anderen Mitteln erfolgen.

„Suchen ist nicht mehr nötig. Das, was interessiert, wurde schon gefunden.“

Was bedeutet das aber für Literatur jenseits des Fachlichen? Natürlich kann auch die auf den Portalen vorgestellt werden. Und sie kann immer präziser die Zielgruppe erreichen, da genauer bekannt ist, welche Interessengebiete gefragt sind. Wäre das möglicherweise die Bestsellerformel? Der Autor sucht nach den am häufigsten angegebenen Interessen und schreibt seinen Roman zielgenau auf diese Schlagworte zu, um so eine maximal große Leserschaft zu erreichen. Etwas, was ja durchaus schon von Autoren und Verlagen so gehandhabt wird – nur hier mit fundierterer Basis als bisher, wo noch sehr viel Publikumseinschätzung aus dem Bauchgefühl heraus entstanden ist.

Von Leserseite aus ist diese Vorstellung ebenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. Wir würden nur noch die Bücher vorgestellt bekommen, die genau zu unseren Interessen passen, würden also keine Zeit mehr mit Publikationen vergeuden, die unseren Geschmack nicht treffen. Aber auch da muss die Erweiterung des Horizonts an anderer Stelle stattfinden.

Der Sport zum Buch: Fitnessarmbänder und Literatur

Für alle, die mit Fitnessarmbändern noch nie in Berührung gekommen sind: Es handelt sich um sogenannte „Activity Tracker“, welche die Schritte des Trägers zählen. Mit dieser Information und zusätzlichen Angaben zum Träger wie Größe, Gewicht, Geschlecht und Alter kann die Software berechnen, ob man sich am Tag des Tragens schon genug bewegt hat. Wechselt man den Modus des Bandes, kann aufgezeichnet werden, wie lange und wie tief man geschlafen hat. Die entsprechenden Daten können an den eigenen Computer oder an das Smartphone geschickt und dort verarbeitet werden.

Jeder Schritt zählt (Copyright: I-vista  / pixelio.de)
Jeder Schritt zählt (Copyright: I-vista / pixelio.de)

Und ja, das hat mit Literatur zu tun, derzeit allerdings erst einmal nur mit Sachliteratur. Einer der Vorreiter in diesem Bereich ist der Verlag GU mit dem Portal GU Balance (https://www.gu-balance.de/). GU publiziert Ratgeber von Heimdeko über „Glücklicher leben“ bis hin zum Kochbuch. Je nach Bedürfnis des Nutzers bietet demnach das Portal den Rundumplan für das glückliche Leben mit Tipps zur Stressvermeidung, den richtigen Kochrezepten und der passenden Yoga-Übung in der 5-Minuten-Pause.

Verbindet man dieses Angebot nun mit dem Fitnessarmband (was durchaus so gedacht ist), kann die Software über die Anzahl der gegangenen Schritte berechnen, ob sich der Träger an diesem Tag genug bewegt hat, und wenn nicht, die richtige Sportübung zum Ausgleich vorschlagen. Oder bei einer Diät Rezepte gemäß den verbrauchten Kalorien. Oder bei unruhigem Schlaf Entspannungsübungen.
Ja, das hat was von „Big Brother“, wer will schon die Überwachung jeder Körperfunktion? Andererseits, wer will nicht gesünder leben und ist dankbar für den elektronischen Wichtel, der einen daran erinnert? Die Fragen muss jeder für sich selbst klären.

Die Frage, die für mich interessant ist: Ist das Fitnessarmband auch für Belletristik geeignet? Vielleicht eine App, die mir nach einer bestimmten Schrittzahl als Belohnung das nächste Kapitel von „Games of Thrones“ freischaltet? Oder es mir während der nächsten hundert Schritte vorliest? Oder eher ein Armband, das keine Schritte, sondern Blätterbewegungen der Buchseiten zählt – das wäre doch mal etwas. Mit verpflichtender Mindestseitenzahl pro Tag. Oder, das ist eine Anmerkung meiner Korrekturleserin Birgit Rentz (www.fehlerjaegerin.de): Pro gelesenem „S“ gibt es ein Stück Schokolade.

Willkommen im Jahr 2015! – Sci-Fi, die wahr wurde

Wie immer wieder betont wird, hat die Zukunft begonnen, wir leben in spannenden Zeiten. Dinge, die zuvor nur Gegenstand von Science-Fiction-Romanen waren, existieren jetzt wirklich – oder sind in Arbeit, wie die Grafik „Prediction or Influence“ zeigt: (http://www.thinglink.com/scene/518775149890109440)

 

Prediction or Influence

Ob auch weitere Szenarien aus Science-Fiction-Literatur wahr werden, dem geht der Journalist David Bauer mit seinem Dystopia-Tracker nach (http://www.dystopiatracker.com). Auf der Plattform werden Vorhersagen gesammelt und es wird nach Umsetzungen gesucht, welche die Idee zur Wirklichkeit werden lassen – und es wird festgehalten, ob der Zeitpunkt der vorhergesagten Umsetzung denn schon erreicht wurde bzw. wie viel Zeit für die Realisierung noch verbleibt. Auch wenn es sich bei der Sammlung um eher negative Vorhersagen handelt, wie der Titel „Dystopia“ ja vermuten lässt, besteht David Bauer darauf, dass sein Projekt einen durchaus positiven Hintergrund hat, denn durch das Beobachten lassen sich auch Entwicklungen vermeiden.

Wenn man die Webseite von David Bauer durchforstet, muss man sagen: „Ja, wir leben in spannenden Zeiten.“ Aber irgendwo im Hinterkopf meldet sich eine Stimme und fragt: „Tatsächlich?“ Vielleicht handelt es sich bei dieser Feststellung auch nur um Gegenwartseitelkeit, wie Holm Friebe in seinem Buch „Die Stein-Strategie“ (http://www.holmfriebe.de/buecher/) behauptet. Und die wirklich spannenden Zeiten, so erklärt er, waren vor etwas mehr als 100 Jahren, als die Industrialisierung das Leben der Menschen wirklich von Grund auf änderte. Was ich nicht abstreiten möchte, denn das 19. Jahrhundert war einfach spannend – ich muss es ja wissen. J

Aber wie auch immer man die Zukunft deuten will oder was auch immer uns erwartet, schlussendlich weiß es niemand. Daher bleibt mir nur, allen das Beste für das kommende Jahr zu wünschen.

Der Morgenmuffel-Mops

Der Morgenmuffel-Mops

Der Mops ist kein Morgentier, eindeutig nicht. Ich bin aber ein Morgenmensch, was immer wieder zu Machtkämpfen und der Frage führt, ob ein Spaziergang in aller Frühe wirklich notwendig ist oder nicht. Da der Hund aber nun einmal nur über begrenzte Zukunftsvorstellungen verfügt und sich nicht darüber im Klaren ist, dass, wenn er morgens nicht mitkommt, es kurz vor Mittag sehr dringlich werden wird, muss ich die Entscheidung für ihn treffen. Der Blick, den ich dafür vom Mops zugeworfen bekomme, hat schon mehrere Passanten veranlasst, stehen zu bleiben und den Hund zu bedauern – was wiederum dazu beiträgt, seine Lust am Spaziergang zu steigern, denn das Bedauern fremder Menschen geht oft mit Streicheleinheiten einher.

Ebenfalls ein probates Mittel, seinen Wunsch nach einem Spaziergang zu steigern, ist die Tube Leberwurst. Wenn er sieht, dass ich diese bei mir trage, spaziert er nicht nur, sondern er hüpft neben mir. Natürlich habe ich mir überlegt, ob dieses Mittel auch meiner eigenen Motivation im Arbeitsalltag auf die Beine helfen könnte, doch die Tube Leberwurst neben dem Computer war ein Reinfall. Dann schon eher die Pralinenschachtel. Wobei auch hier der Genuss durch den Blick in die Zukunft und somit den Gedanken an die Waage geschmälert wurde. Also habe ich beschlossen, beim Genießen vom Mops zu lernen und nicht an die Zukunft zu denken. Auch nicht, wenn das Jahr sich fast dem Ende zuneigt und ich regelmäßig nach den guten Vorsätzen für das neue Jahr gefragt werde. Ich bleibe erst einmal im Jetzt und genieße das herrliche Weihnachtsgebäck – Plätzchen für Plätzchen, ohne Waage! 🙂