Rezension: Inspector Swanson und der Magische Zirkel

Marley_Swanson_3_Zirkel_72dpi_RGBAutor: Robert C. Marley. Erschienen im Dryas Verlag (http://www.dryas.de/), Taschenbuch (ISBN 978-3-940855-64-0) oder E-Book (ISBN978-3-941408-82-1).

Erster Satz: Draußen vor dem Sprossenfenster fiel leise der Schnee.

Ende des 19. Jahrhunderts ist die große Zeit der Varietés und der Show-Magier, deren berühmtester Vertreter, Harry Houdini, Menschenmassen in Atem hielt. Die Zauberei ist eine der heimlichen Leidenschaften von Scotland Yards Chief Inspector Swanson. Als er sich mit seiner Frau einen freien Abend gönnt, um die Vorstellung des großen van Dyke zu besuchen, kommt es zu einem Zwischenfall. Bei einer Entfesselungsnummer hat der sich in einen Wasserbottich einsperren lassen, doch das Schloss ist blockiert. Van Dyke kann gerade noch in letzter Sekunde gerettet werden. Zufall oder ein Anschlag auf sein Leben?

Swanson nimmt die Ermittlungen auf. Es ist sein dritter Fall nach „Inspector Swanson und der Fluch des Hope Diamanten“ und „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“. Unterstützt wird er wieder vom unerschütterlichen Sergeant Phelps und seinem Freund Sir Frederick Greenland – dessen Freund Oscar Wilde wiederum es nicht lassen kann, sich ebenfalls in diesen Fall einzumischen.

Ein Hinweis: Da ich für den Verlag arbeite, in dem das Buch erschienen ist, ist diese Rezension sicher voreingenommen. Aber dieser Roman ist eine Entdeckung, die ich Fans viktorianischer Krimis nicht vorenthalten will.

Lesenswert ist der Roman vor allem wegen der vielen Details über das Leben im viktorianischen London, die der Autor zusammengetragen hat und nebenbei in den Roman einfließen lässt. Dinge wie die Ausstattung der damals nagelneu eingerichteten Pathologie, die man mit zu wenig Personal in den Keller des Yard verbannt hatte. Oder dass Varieté damals ein durchaus elitäres Vergnügen war – zwei Karten für die Show kosten einen Chief Inspector sein halbes Monatsgehalt.

Großartig ist auch der Erzählstil des Autors. Er folgt abwechselnd unterschiedlichen Personen des Romans, wobei jede eine ganz eigene Art hat, die Welt zu betrachten. Wie ein Puzzle fügen sich so die Teile des Falls nach und nach ineinander. Durch den gesamten Roman zieht sich ein trockener, sehr britischer Humor, sodass man als Leser oft leise in sich hineinlachen muss.

Fazit: Sehr viktorianisch, sehr spannend und sehr empfehlenswert.

Leseprobe: http://www.dryas.de/baker-street/inspector-swanson-und-der-magische-zirkel

Rezension „Gloria und die Liebenden von Verona“

Klaus_Gloria_Verona_72dpi_RGBAutorin: Marlene Klaus. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-58-9) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-81-4).

Der erste Satz: Die Straße war schlecht, wie alle Straßen, die sie seit ihrer Abreise aus England vor zwei Monaten befahren hatten.

Gloria hat kein Glück in der Liebe. Doch was hilft bei Liebeskummer? Eine lange Reise, davon ist zumindest ihre Tante überzeugt und nimmt ihre Nichte daher mit nach Italien. Für das 19. Jahrhundert durchaus eine längere Reise, deren erste Station Verona sein soll. Und ausgerechnet in der Stadt Romeos und Julias holt Gloria das Thema Liebe wieder ein, allerdings in eher krimineller Form. Sie wird von einer jungen Italienerin um Hilfe gebeten, da ihr Freund nach einem Duell verschwunden und dessen Mit-Duellant tot ist. Gloria stellt bald fest, dass die Lage der Dinge nicht so offensichtlich ist, wie sie zu sein scheint, und beginnt nachzuforschen – wobei ihr eine Reisebekanntschaft, Lord Alexander, zu Hilfe kommt. Auch Alexander hat nicht viel Glück in der Liebe, und schon bald geraten die beiden Dickköpfe aneinander.

Der Roman macht es dem Leser einfach, in den Fall und die Epoche einzutauchen. Genau recherchierte historische Details machen das Verona des 19. Jahrhunderts und die Reisebedingungen der Zeit lebendig. Und ein nicht leicht zu lösendes Verbrechen hält den Leser in Atmen. Charmant ist dabei natürlich der Bezug zur Liebesgeschichte von Romeo und Julia, die Parallelen zum aktuellen Fall sind eindeutig. Aber das Glanzlicht des Buches sind die Figuren und deren Zusammenspiel. Gloria wächst einem sofort ans Herz und ebenso die lebenserfahrene Tante Jo. Die Dialoge sind wunderbar pointiert und geben dem Buch Tempo und den Figuren Charakter.

Fazit: Ein viktorianischer Krimi mit Witz, Spannung und Eloquenz.

Rezension: „Die Frau in Schwarz“

Autorin: Susan Hill
Erschienen bei Knaur (www.droemer-knaur.de), ISBN Taschenbuch 978-3-426-50220-4, ISBN E-Book 978-3-426-41248-0, wurde auch verfilmt

Der erste Satz: Es war Heiligabend, halb zehn.cover_frauschwarz

Der Anwalt Arthur Kipps wird beauftragt, den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow durchzusehen. Dieser befindet sich im Haus der Verstorbenen – Eel Marsh House. Das Herrenhaus steht auf einer Insel im Watt und kann nur bei Ebbe über einen Damm erreicht werden. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes, in dem Arthur übernachtet, sind schockiert, als er von seinem Vorhaben berichtet, in Eel Marsh House zu übernachten. Sie wollen ihn dazu bewegen, so schnell wie möglich abzureisen. Doch Arthur möchte seinen Auftrag ausführen, fährt hinüber zur Insel und übernachtet im Herrenhaus. Was er dort erlebt, ist Gothic Horror der besten Qualität: huschende Schatten, Schreie in der Nacht, ein düsteres Geheimnis und ein sehr, sehr rachsüchtiger Geist.

Das Buch ist, für das Genre klassisch, in der Ich-Perspektive geschrieben, Arthur Kipps berichtet Jahre später von seinen Erlebnissen. Heute wird in vielen Büchern und vor allem auch Filmen Horror oft mit Ekel verwechselt – daher Hut ab vor Frau Hill, denn ihr Buch kommt ohne jeden Ekel-Effekt aus, dennoch ist Gänsehaut garantiert. Vor allem das Ende ist bitterböse und jagt einem einen Schauder über den Rücken. Daher genau das richtige Buch für einen dunklen Abend zwischen den Jahren bei Kerzenlicht.

Susan Hills Roman ist bereits 1983 erschienen und wurde 2012 mit Daniel Radcliffe als Arthur Kipps verfilmt. Auch der Film ist sehenswert und fängt die viktorianische Gruselstimmung sehr gut ein. Daniel Radcliffe schafft es, gar nicht an Harry Potter zu erinnern – eine reife Leistung, da er mit dieser Rolle doch eng verknüpft ist. Interessanterweise wurde für den Film die Geschichte an einer entscheidenden Stelle geändert, was zu einem anderen Ende führt. Das neue Ende ist aber ebenso bitterböse wie das im Buch.

Leseprobe

Fazit: Das Buch bietet beste Gruselstimmung für dunkle Abende. Absolute Leseempfehlung für Gothic-Fans.