Interview mit Laila Görlich, Gründerin von Lokibo

Von links nach rechts die Gründer von Lokibo: Patrick Görlich, Laila Görlich, Michael Kehrwecker
Von links nach rechts die Gründer von Lokibo: Patrick Görlich, Laila Görlich, Michael Kehrwecker

Vor Kurzem habe ich in meinem Blog einige automatische Buchempfehlungsseiten vorgestellt. Am meisten überzeugt hat mich hier das Buchempfehlungs-Portal Lokibo (http://www.lokibo.de/) aus Bretten. Eine der Gründer der Seite, Laila Görlich, hat mir freundlicherweise einige Frage zu der Idee und der Zukunft von Lokibo beantwortet:

Eyre: Wie kam es zur Gründung von Lokibo?

Laila Görlich: Wir drei sind begeisterte Leser und oft auf der Suche nach neuen Romanen. Dabei konnten uns die bisherigen Angebote (offline und online) nicht so individuell weiterhelfen, wie wir es uns gewünscht hätten – und daraus ist dann „irgendwie“ unsere Idee entstanden.

Eyre: Wo findet Lokibo die Bücher, die empfohlen werden?

Laila Görlich: Im ersten Schritt muss jeder Nutzer zunächst einen Roman bewerten, der ihm gut gefallen hat. Das hilft einerseits dem Nutzer, da wir dadurch seinen Romangeschmack kennenlernen und ihm passende Romane empfehlen können. Andererseits füllt sich so aber auch unsere Datenbank mit Büchern, da diese Bewertungen auch an deren Nutzern für ihre Suche zur Verfügung stehen.

Eyre: Gibt es Pläne für die Zukunft von Lokibo?

Laila Görlich: Ganz klar, die gibt es. Unsere Webseite ist so, wie sie ist, keineswegs final. Wir haben noch sehr viele To-do-Punkte für Verbesserungen und Erweiterungen unserer Seite auf unserer Liste stehen, an denen wir fleißig arbeiten und die wir nach und nach online stellen wollen. So wollen wir unseren Lesern beispielsweise in naher Zukunft andere Leser vorschlagen, denen ähnliche Romane gefallen. Auf dem Profil dieser Leser entdeckt vielleicht der ein oder andere Nutzer wiederum einen Roman, der auch ihm gefallen könnte … Das nur als Beispiel – es warten also noch viele Ideen darauf, umgesetzt zu werden. 🙂

[Tweet „Interview mit Laila Görlich, Gründerin von Lokibo @Eyre_und_Mops“]

Ich weiß, was du wissen willst: Empfehlungsalgorithmen für Texte

Empfehlung Das Internet vernetzt Menschen, ja, richtig. Das Internet stellt das Wissen der Welt zur Verfügung, auch richtig. Aber sind wir doch ehrlich: Am häufigsten wird das Internet zur Suche nach Katzenbildern oder in meinem Fall Hundebildern genutzt. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit man damit verbringen kann – natürlich besonders, wenn man eigentlich etwas anderes tun sollte.

Doch angenommen, die „Arbeit“ des Surfens wird einem abgenommen und man bekommt auf einer Seite gesammelte Hundebilder präsentiert – und dazu noch die besten Hundezeitschriften und die besten Hundeschulen und die schönsten Hundeurlaubsbilder und und und … All das, ohne sich durch störende Werbung oder andere Themen ablenken zu lassen. Natürlich wurde diese Idee bereits umgesetzt, mehrfach sogar, z. B. von Medium (www.medium.com) oder Prismatic (www.getprismatic.com). Die Portale funktionieren wie Facebook mit amazon-Empfehlungen für Texte aus dem Internet. Man gibt seine Interessengebiete ein, beispielsweise „digitales Publizieren“, und erhält entsprechende Empfehlungen. Technisch funktioniert das über die Verschlagwortung der Texte bzw. über ausgeklügelte textbasierte Such- und Empfehlungsalgorithmen.

Das bedeutet, ich muss in Zukunft nicht einmal mehr nach dem suchen, was mich interessiert, mein Info-Portal weiß das schon. Eine Vorstellung, die wie immer sowohl positive als auch negative Aspekte hat. Natürlich entgehen einem auf diese Weise wichtige Informationen nicht mehr, und wenn der Algorithmus gut ist, wovon wir jetzt einfach mal ausgehen, werden auch artverwandte Themen berücksichtigt. Doch komplett Fachfremdes kommt nicht in die Auswahl – die Erweiterung des Horizonts muss also mit anderen Mitteln erfolgen.

„Suchen ist nicht mehr nötig. Das, was interessiert, wurde schon gefunden.“

Was bedeutet das aber für Literatur jenseits des Fachlichen? Natürlich kann auch die auf den Portalen vorgestellt werden. Und sie kann immer präziser die Zielgruppe erreichen, da genauer bekannt ist, welche Interessengebiete gefragt sind. Wäre das möglicherweise die Bestsellerformel? Der Autor sucht nach den am häufigsten angegebenen Interessen und schreibt seinen Roman zielgenau auf diese Schlagworte zu, um so eine maximal große Leserschaft zu erreichen. Etwas, was ja durchaus schon von Autoren und Verlagen so gehandhabt wird – nur hier mit fundierterer Basis als bisher, wo noch sehr viel Publikumseinschätzung aus dem Bauchgefühl heraus entstanden ist.

Von Leserseite aus ist diese Vorstellung ebenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. Wir würden nur noch die Bücher vorgestellt bekommen, die genau zu unseren Interessen passen, würden also keine Zeit mehr mit Publikationen vergeuden, die unseren Geschmack nicht treffen. Aber auch da muss die Erweiterung des Horizonts an anderer Stelle stattfinden.