Rezension „Die Augen der Heather Grace“

Die Augen der Heather GraceAutor: David Pirie. Erschienen bei Bastei Lübbe (www.luebbe.de), Taschenbuch ISBN 978-3-404-16974-0, E-Book ISBN 978-3-8387-5368-3

Erster Satz: „Nun also doch.“

Vorab der eine Punkt, an dem die Erwartung etwas gedämpft wird: In dem Buch geht es nicht um Sherlock Holmes, auch wenn der Untertitel „Aus den dunklen Anfängen von Sherlock Holmes“ lautet. Der Erzähler des Romans ist Arthur Conan Doyle und er beschreibt sein erstes Treffen mit Professor Joseph Bell und die Zusammenarbeit an einem ersten gemeinsamen Kriminalfall.

Der Fall selbst ist fiktiv, historisch belegt sind aber die Figur des Joseph Bell sowie die Tatsache, dass er und Conan Doyle sich kannten. Joseph Bell war Professor an der medizinischen Fakultät von Edinburgh. In seinen Vorlesungen betonte er immer wieder, wie wichtig eine genaue Beobachtung für die Diagnose ist. Seine Beobachtungsgabe galt als derart legendär, dass er beim vierten Mord von Jack the Ripper zu Rate gezogen wurde.

Bell war das Vorbild für Doyles Sherlock Holmes. Doyle selbst lernte ihn während seines Studiums 1877 in Edinburgh kennen und arbeitete als sein Assistent. So auch im vorliegenden Roman, der in seiner Erzählweise stark an das Original von Doyle erinnert.

Nach seinem Studium wird Doyle von einem seiner Kommilitonen gebeten, in dessen Praxis mitzuarbeiten. Eine seiner ersten Patientinnen, Heather Grace, leidet unter dem Gefühl, verfolgt zu werden – was sich schon bald als wahr herausstellt. Alles deutet auf einen Geist hin, der es auf sie abgesehen hat. Doyle weiß nicht mehr weiter und bittet Bell um Hilfe. Und selbst wenn Sherlock Holmes nicht persönlich auftritt, so macht ihm Bell doch alle Ehre und Doyle selbst folgt diesem wie Dr. Watson.

Der Roman bietet dem Leser wirklich alles, was man sich als Fan des Genres wünschen kann: unheimliche Wälder, Nebel in England, verschlüsselte Botschaften, verschrobene Detektive und jede Menge Wahnsinn.

Fazit: Eine Leseempfehlung für Sherlock-Holmes-Fans, Gothic-Liebhaber und alle, die gerne ins viktorianische England eintauchen.

Leseprobe unter http://www.buchhandlung-am-riedberg.de/shop/item/9783404169740

Im Porträt: Autorin Sophia Farago

Foto: Christine Wurnig
Foto: Christine Wurnig

Gerne stelle ich von Zeit zu Zeit auf meinem Blog Menschen vor, die mit Büchern zu tun haben. Dieses Mal die Trainerin und Unternehmensberaterin Dr. Rauchberger, die als solche nichts mit Büchern zu tun hat, die aber wie viele Autoren eine „Zweitexistenz“ führt – unter dem Pseudonym Sophia Farago. Man könnte auch von Dritt-, Viert- und Fünftexistenz sprechen, da sie auch noch unter den Pseudonymen Sophia Scheer, Sophia Rauchberger und Sophie Scheer schreibt.

Aber keine Sorge, sie kann mit den multiplen Persönlichkeiten umgehen. Als Sophia Farago hat sie sich auf das England der Regency-Zeit, also auf das der Jane Austen spezialisiert. Ich freue mich sehr, dass mir die moderne Jane Austen Rede und Antwort gestanden hat:

„Wann ist dein erstes Buch erschienen und war das bereits ein Regency-Roman?“

Die Regency-Zeit hat mich seit meiner Jugend fasziniert und inspiriert und zum Schreiben gebracht. Daher war natürlich mein erster Roman „Die Braut des Herzogs“ ein Regency-Roman. Er erschien 1993 im Fischer Verlag.

„Gibt es eine Figur in deinen Büchern, mit der du dich besonders eng verbunden fühlst?“

Die erste Figur, die in meinem Kopf zu sprechen begann, war der Herzog von Wellbrooks, dessen Geschichte ich in „Der Braut des Herzogs“ aufgeschrieben habe. Natürlich fühle ich mich mit ihm besonders verbunden. Aber ich liebe auch Frederica, Penelope und den Earl of Derryhill aus „Der Heiratsplan“. Und dann noch … ach, eigentlich liebe ich alle meine Figuren. Außer Mr. Pucklechurch.

„Was fasziniert dich am 19. Jahrhundert?“

Ich liebe England, ich liebe die Traditionen. Das frühe 19. Jahrhundert war auch geschichtlich eine sehr spannende Epoche. Die Kriege gegen Napoleon, die Industrielle Revolution, ein König, der, geistig umnachtet, nicht mehr regieren konnte. Ein skandalträchtiger Prinzregent, der Paläste bauen ließ, Kunstschätze ansammelte, in Bigamie lebte und bis zu 120 Gänge beim Dinner servieren ließ – all das schreit doch danach, Geschichten zu erzählen.

„Was ist für dich die größte Herausforderung, wenn du dich an einen neuen Roman setzt?“

Das Ausdenken der Geschichte macht Freude und ist auch für die Autorin spannend. Die größte Herausforderung ist es, all das Bunte, Spannende, Aufregende, das sich im Kopf abspielt, auch zu Papier zu bringen.

„Du reist gerne zu den Originalschauplätzen deiner Bücher: Hast du hier einen Geheimtipp, was man unbedingt besuchen sollte?“

Richtig, ich war schon mehr als fünfzig Mal auf der Insel. Was man sich neben London unbedingt ansehen sollte? Den reizenden Ort Chawton, in dem Jane Austen glückliche Jahre verlebte. Allein die reetgedeckten Häuschen sind eine Reise wert. Und dann natürlich Bath, das mondäne Kurbad. Im Jane-Austen-Center gibt es viel Spannendes aus der Regency-Zeit zu erfahren. Und am Royal Pavillon in Brighton, dem exotischen Palast des Prinzregenten, kann kein wahrer Regency-Fan vorbeigehen.

Vielen Dank an Sophia Farago für die das Interview!

72dpi_Farago_Digmore_ParkVon der Autorin sind im Dryas Verlag die Bücher „Das Geheimnis von Digmore Park“ und „Der Heiratsplan“ erschienen, beides genau das Richtige für Regency-Fans. Und für November 2016 ist bereits der nächste Roman geplant mit dem Titel „Verlobung wider Willen“, so viel sei schon verraten.