Rezension „Die Alchemie der Unsterblichkeit“

Autorin: Kerstin Pflieger. Erschienen bei Goldmann (www.randomhouse.de), Taschenbuch, ISBN 978-3-442-47483-7, E-Book ISBN 978-3-641-05820-3

Erster Satz: „Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen: Tod, Leid und Hunger; mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist Gott der Herr, der sie richten wird.“

Der Gelehrte und Assistent der Stadtwache Karlsruhe, Icherios Ceihn, erhält von seinem Vorgesetzten und Lehrer einen Auftrag. Er soll nach Dornfelde im nördlichen Schwarzwald fahren und der Stadtverwaltung vor Ort helfen, einen Mord aufzuklären. Der Fürst des Orts höchstpersönlich habe Unterstützung angefordert.

Dornfelde liegt im sogenannten Dunklen Territorium, um die Gegend ranken sich viele abergläubische Legenden. Trotzdem nimmt Icherios den Auftrag an, da er sich der Herausforderung stellen möchte. Wie er jedoch bald merkt, sind die Legenden keine Einbildung.

Wer sich bei der Beschreibung an Sleepy Hollow und Ichabod Crane erinnert fühlt, liegt damit nicht falsch. Die Anleihe an den Klassiker ist aber außerordentlich gelungen. Wer Spaß an Sleepy Hollow hatte, wird auch Icherios Ceihns Abenteuer gerne verfolgen.

Der Einsteig in den Roman ist leider sehr informationslastig, der Protagonist und seine Welt müssen ja eingeführt werden. Hier wäre ein bisschen mehr Raum für die Figuren und ihre Eigenheiten schön gewesen.

Dafür entschädigt aber die dracula-gleiche Ankunft in Dornfelde, abgeholt von Renfin und gejagt von Irrlichtern.

Mit Icherios die Bewohner von Dornfelde kennen zu lernen und ihre, sagen wir mal, Eigenheiten, lohnt sich auf jeden Fall und sei auch Skeptikern ans Herz gelegt, die zweifeln, ob Gothic Horror in den Schwarzwald passt.

Fazit: Gothic Horror im Schwarzwald funktioniert hervorragend.

Leseprobe unter http://www.buchhandlung-am-riedberg.de/shop/item/9783404169740

Rezension: „Die Frau in Schwarz“

Autorin: Susan Hill
Erschienen bei Knaur (www.droemer-knaur.de), ISBN Taschenbuch 978-3-426-50220-4, ISBN E-Book 978-3-426-41248-0, wurde auch verfilmt

Der erste Satz: Es war Heiligabend, halb zehn.cover_frauschwarz

Der Anwalt Arthur Kipps wird beauftragt, den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow durchzusehen. Dieser befindet sich im Haus der Verstorbenen – Eel Marsh House. Das Herrenhaus steht auf einer Insel im Watt und kann nur bei Ebbe über einen Damm erreicht werden. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes, in dem Arthur übernachtet, sind schockiert, als er von seinem Vorhaben berichtet, in Eel Marsh House zu übernachten. Sie wollen ihn dazu bewegen, so schnell wie möglich abzureisen. Doch Arthur möchte seinen Auftrag ausführen, fährt hinüber zur Insel und übernachtet im Herrenhaus. Was er dort erlebt, ist Gothic Horror der besten Qualität: huschende Schatten, Schreie in der Nacht, ein düsteres Geheimnis und ein sehr, sehr rachsüchtiger Geist.

Das Buch ist, für das Genre klassisch, in der Ich-Perspektive geschrieben, Arthur Kipps berichtet Jahre später von seinen Erlebnissen. Heute wird in vielen Büchern und vor allem auch Filmen Horror oft mit Ekel verwechselt – daher Hut ab vor Frau Hill, denn ihr Buch kommt ohne jeden Ekel-Effekt aus, dennoch ist Gänsehaut garantiert. Vor allem das Ende ist bitterböse und jagt einem einen Schauder über den Rücken. Daher genau das richtige Buch für einen dunklen Abend zwischen den Jahren bei Kerzenlicht.

Susan Hills Roman ist bereits 1983 erschienen und wurde 2012 mit Daniel Radcliffe als Arthur Kipps verfilmt. Auch der Film ist sehenswert und fängt die viktorianische Gruselstimmung sehr gut ein. Daniel Radcliffe schafft es, gar nicht an Harry Potter zu erinnern – eine reife Leistung, da er mit dieser Rolle doch eng verknüpft ist. Interessanterweise wurde für den Film die Geschichte an einer entscheidenden Stelle geändert, was zu einem anderen Ende führt. Das neue Ende ist aber ebenso bitterböse wie das im Buch.

Leseprobe

Fazit: Das Buch bietet beste Gruselstimmung für dunkle Abende. Absolute Leseempfehlung für Gothic-Fans.