Ein Hunde-Leben

Mops_renntDer Mops besitzt ein sehr sonniges Gemüt. Es gibt kaum etwas, das ihm nicht gefällt. Zum Beispiel Aufstehen am Morgen. Wie toll ist das denn! Man trifft die netten Leute vom Vorabend wieder, es gibt Frühstück (sehr wichtig!), es geht raus für Stuhl- und Spaziergang. Wenn all das kein Grund zur Freude ist! Oder der Gang zum Tierarzt! Beim letzten Besuch mussten wir – also Tierärztin, Tierarzthelferin und ich – den Hund zu dritt bändigen, da er bei so viel Aufmerksamkeit keine zwei Sekunden stillhalten konnte, um sich impfen zu lassen.

Besonders schön sind auch die vielen Freunde, die man den ganzen Tag über trifft, egal wo man sich gerade befindet. Das kann der Postbote sein, der Mann im Anzug, der einfach nur vorbeiläuft, ein Kind, ein anderer Hund oder auch ein Pferd. Jeder muss begrüßt werden. Was für den Mops ein „Ich sage freundlich Hallo“ ist, sieht jedoch für den Begrüßten eher nach einer wild gewordenen Mopswurst aus, die auf ihn zustürmt, vor Freude hyperventiliert, eine endlose Zunge ausrollt und damit alles bearbeitet, was nicht sofort in Sicherheit gebracht wird. Dabei wedelt das Schwänzchen so heftig, dass sich der hintere Teil des Tiers eigenständig hin und her bewegt, während sein Vorderteil versucht, auf sein Gegenüber draufzuklettern. Je nach Verfassung des so Begrüßten schwanken die Reaktionen zwischen Fassungslosigkeit und Kampfknuddeln. Wobei Mops nur Letzteres gelten lässt und jede andere Reaktion als „vor Freude sprachlos“ deutet. An alle Nicht-Hundebesitzer: Ignorieren ist die richtige Reaktion. Wenn der Freund zu lange sprachlos bleibt, sucht Mops sich ein anderes Opfer.

Die hyperventilierende Freude setzt aber nicht nur bei der Begrüßung der Freunde ein, sondern auch beim Fressen und Spielen. Im Prinzip besteht das Leben des Mopses aus nichts anderem als Fressen, Spielen und Freunde begrüßen. Dazwischen noch ein Schläfchen, um fit zu sein für die nächste Runde Fressen, Spielen, Freunde begrüßen.

Das Leben ist doch einfach schön.

Mops und Frauchen arbeiten an der Beziehung

Mops_Blick
Der Mops und ich diskutieren zurzeit die Ausgestaltung unserer Beziehung. Während ich im Zwischenmenschlichen Augenhöhe durchaus schätze, habe ich mir in den Kopf gesetzt, die Mensch-Hund-Beziehung hierarchisch zu gliedern. Und zwar kommt zunächst der Mensch, erst dann der Hund. Allerdings sieht der Mops das nicht so, schließlich ist er in seiner Eigenwahrnehmung eine große muskulöse Bulldogge – auch an diesem Thema arbeiten wir – und als solche durchaus berechtigt, Hierarchien in Frage zu stellen.

Inzwischen gilt es als unumstritten, dass auch Hunde eine pubertäre Phase durchleben. Diese beginnt direkt nachdem sich erste Lernerfolge im Hundehirn eingestellt haben. Zuerst wird gelernt, was „Sitz“ bedeutet, und dann wird das Konzept hinterfragt. So wusste ich früher ganz genau, dass der fragende Blick des Mopses mir sagen will: „Ich weiß nicht, was du von mir willst.“ Und ich weiß, dass der gleich Blick heute heißt: „Ich weiß sehr wohl, was du willst, aber will ich das auch tun?“ Derzeit lautet seine Antwort auf diese fast schon rhetorische Frage meist: „Nein“. Nun haben aber wir Menschen den alleinigen Zugang zu den Futterquellen, was ein durchaus schlagkräftiges Druckmittel ist. Zu meinem Glück und seinem Leidwesen ist der Mops auch nicht groß genug, um sich mal selbst vom Tisch zu bedienen oder verschlossene Türen zu öffnen. Er ist eben doch keine Bulldogge.

Trotzdem wird zurzeit jeder gegebene Befehl hinterfragt. Und wenn man das Stuhlbein nicht von vorne ankauen darf, dann vielleicht von der Seite? Oder von hinten? Oder wenn Frauchen kurz wegsieht? Der Mops ist da flexibel. Frauchen weniger, da sie darauf besteht, dass das Stuhlbein überhaupt nicht angekaut wird.

Leider tröstet der Hinweis anderer Hundebesitzer nicht wirklich, die mir immer versichern, dass das nur eine Phase sei, und im Alter von zwei bis drei Jahren nachlässt. Der Mops ist jetzt ein Jahr alt. Es scheint wohl noch etwas Beziehungsarbeit vor uns zu liegen.