Rezension „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“

Marley_Inspector_Swanson_Ripper_RGB_72dpiAutor: Robert C. Marley. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-59-6) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-80-7).

Der erste Satz: Mr. John Saunders Reeves krempelte die abgewetzten Ärmel seines fadenscheinigen blauen Hemds herunter und stand vom Küchentisch auf.

Im zweiten Band der Reihe um Chief Inspector Donald Swanson trifft dieser nun seine Nemesis, den „Whitechapel-Mörder“, besser bekannt als „Jack the Ripper“. Der Roman beruht auf Tatsachen, denn es war wirklich Inspector Swanson, der 1888 die Ermittlungen in diesem Fall führte und die unterschiedlichsten Hypothesen rund um die Morde prüfen musste. So ist dieser Roman sowohl ein spannender Krimi als auch eine Beschreibung der historischen Ermittlungsarbeit. Bereits 1888 hatte jeder, der etwas auf sich hielt, seine eigene Erklärung für die Morde – und Swanson wurde wohl oder übel damit konfrontiert. Auch mit Thesen wie der des entflohenen Orang-Utans, der für die Taten verantwortlich sein sollte. So haarsträubend das auch klingt, dies war das tatsächlich eine der Spekulationen, die damals angestellt wurden.

Was diesen Roman besonders macht, sind die wunderbar in die Handlung eingewebten historischen Details. Sie erwecken die Epoche mühelos zum Leben und lassen den Leser in die Ermittlungen eintauchen. Wie zum Beispiel der Platzmangel in der noch relativ neuen Behörde Scotland Yard kurz vor ihrem Umzug in ein größeres Gebäude. Die Akten stapeln sich auf der Treppe, in den freien Ecken sitzen Constabler und arbeiten oder ruhen sich vom Dienst aus. Egal ob Besenkammer oder Toilette, alles wird zum Büro umfunktioniert. Und dazu kommt noch eine neue Abteilung, die Spurensicherung, mit ihren von den Kollegen skeptisch beäugten modernen Methoden.

Auch heute noch werden in schöner Regelmäßigkeit Thesen veröffentlicht, wer denn nun Jack the Ripper gewesen sein mochte. Doch bisher gibt es keine, die allen Gegenargumenten standgehalten hätte – außer vielleicht die des Autors Robert C. Marley, seit langem Mitglied der Jack the Ripper Society, die sich der Lösung dieses Falles widmet.

 

Fazit: Ein Krimi zum Eintauchen in einen komplexen Fall und eine spannende Epoche.

Rezension „Stadt in Angst“

Stadt in Angst von John MatthewsAutor: John Matthew (übersetzt aus dem Englischen von Andreas Jäger). Erschienen 2014 auf Deutsch im Page & Turner Verlag, ISBN Taschenbuch 978-3-442-20438-0, ISBN E-Book 978-3-641-14342-8, Original erschienen 2013 im Verlag Exhibit A unter dem Titel „Letters from a Murderer“

Der erste Satz: Als Camille das Lokal betrat, fasste sie sofort den Mann hinter dem Tresen ins Auge.

Eine brutale Mordserie an Prostituierten hält New York 1891 in Atem. Das Muster der Morde erinnert an die Verbrechen von Jack the Ripper ungefähr 10 Jahre zuvor in London. Mit den Ermittlungen wird der New Yorker Polizist Joseph Argenti beauftragt, der Sohn armer italienischer Einwanderer, der sich hochgearbeitet hat. Da die Fälle denen in London gleichen, bekommt er den Kriminalanalytiker Finley Jameson als Unterstützung an die Seite gestellt. Jameson war bereits an den Ermittlungen in London zu den Ripper-Morden beteiligt. Er stammt aus der englischen Oberschicht, wurde aber von seiner Tante in New York großgezogen. Seine Studienzeit verbrachte er in London, wo er über seinen Professor in die Ermittlungen involviert wurde. Inzwischen lebt er wieder in New York.

Der Gedanke des Autors war es wohl, wie in vielen aktuellen Krimiserien, ein sehr gegensätzliches Ermittlerpaar an einen komplizierten und emotional aufreibenden Fall zu setzen, um so neben der Spannung des Falls selbst auch eine Spannung zwischen den Figuren zu erzeugen. Der Fall ist in der Tat spannend, ein Aspekt hierbei sind die regelmäßigen Briefe, die der mutmaßliche Ripper an die Zeitung schickt und in denen er sich über die Ermittlungen lustig macht. Durch die Briefe werden die Ermittlungen immer wieder vorangetrieben und sie geben dem Buch auch den englischen Originaltitel „Letters from a Murderer“.

Was meines Erachtens jedoch leider gar nicht funktioniert, ist das Ausspielen der gegensätzlichen Charaktere der Ermittler. Zwar wird erwähnt, dass Argenti Jameson zunächst nicht so sympathisch findet, und auch bei ihrer ersten gemeinsamen Befragung findet er dessen Verhalten mehr als nur seltsam, aber damit ist dieser Aspekt auch schon im Wesentlichen abgefrühstückt. Die beiden Ermittlerfiguren bleiben sehr blass, was meiner Meinung nach daran liegt, dass erst sehr spät auch auf Jamesons Gefühle und Einstellungen eingegangen wird.

Die Ripper-Morde in New York haben allerdings einen historischen Hintergrund. 1891 wurde in Manhattan eine ermordete Prostituierte gefunden, die ähnlich verstümmelt war wie die Opfer in London. Die Londoner Polizei schloss damals jedoch einen Zusammenhang aus.

Leseprobe: http://www.randomhouse.de/Paperback/Stadt-in-Angst-Historischer-Kriminalroman/John-Matthews/e446016.rhd

Fazit: Ein solide und spannend konstruierter Fall mit für mich leider zu blassen Hauptfiguren.