Im Porträt: Autorin Sophia Farago

Foto: Christine Wurnig
Foto: Christine Wurnig

Gerne stelle ich von Zeit zu Zeit auf meinem Blog Menschen vor, die mit Büchern zu tun haben. Dieses Mal die Trainerin und Unternehmensberaterin Dr. Rauchberger, die als solche nichts mit Büchern zu tun hat, die aber wie viele Autoren eine „Zweitexistenz“ führt – unter dem Pseudonym Sophia Farago. Man könnte auch von Dritt-, Viert- und Fünftexistenz sprechen, da sie auch noch unter den Pseudonymen Sophia Scheer, Sophia Rauchberger und Sophie Scheer schreibt.

Aber keine Sorge, sie kann mit den multiplen Persönlichkeiten umgehen. Als Sophia Farago hat sie sich auf das England der Regency-Zeit, also auf das der Jane Austen spezialisiert. Ich freue mich sehr, dass mir die moderne Jane Austen Rede und Antwort gestanden hat:

„Wann ist dein erstes Buch erschienen und war das bereits ein Regency-Roman?“

Die Regency-Zeit hat mich seit meiner Jugend fasziniert und inspiriert und zum Schreiben gebracht. Daher war natürlich mein erster Roman „Die Braut des Herzogs“ ein Regency-Roman. Er erschien 1993 im Fischer Verlag.

„Gibt es eine Figur in deinen Büchern, mit der du dich besonders eng verbunden fühlst?“

Die erste Figur, die in meinem Kopf zu sprechen begann, war der Herzog von Wellbrooks, dessen Geschichte ich in „Der Braut des Herzogs“ aufgeschrieben habe. Natürlich fühle ich mich mit ihm besonders verbunden. Aber ich liebe auch Frederica, Penelope und den Earl of Derryhill aus „Der Heiratsplan“. Und dann noch … ach, eigentlich liebe ich alle meine Figuren. Außer Mr. Pucklechurch.

„Was fasziniert dich am 19. Jahrhundert?“

Ich liebe England, ich liebe die Traditionen. Das frühe 19. Jahrhundert war auch geschichtlich eine sehr spannende Epoche. Die Kriege gegen Napoleon, die Industrielle Revolution, ein König, der, geistig umnachtet, nicht mehr regieren konnte. Ein skandalträchtiger Prinzregent, der Paläste bauen ließ, Kunstschätze ansammelte, in Bigamie lebte und bis zu 120 Gänge beim Dinner servieren ließ – all das schreit doch danach, Geschichten zu erzählen.

„Was ist für dich die größte Herausforderung, wenn du dich an einen neuen Roman setzt?“

Das Ausdenken der Geschichte macht Freude und ist auch für die Autorin spannend. Die größte Herausforderung ist es, all das Bunte, Spannende, Aufregende, das sich im Kopf abspielt, auch zu Papier zu bringen.

„Du reist gerne zu den Originalschauplätzen deiner Bücher: Hast du hier einen Geheimtipp, was man unbedingt besuchen sollte?“

Richtig, ich war schon mehr als fünfzig Mal auf der Insel. Was man sich neben London unbedingt ansehen sollte? Den reizenden Ort Chawton, in dem Jane Austen glückliche Jahre verlebte. Allein die reetgedeckten Häuschen sind eine Reise wert. Und dann natürlich Bath, das mondäne Kurbad. Im Jane-Austen-Center gibt es viel Spannendes aus der Regency-Zeit zu erfahren. Und am Royal Pavillon in Brighton, dem exotischen Palast des Prinzregenten, kann kein wahrer Regency-Fan vorbeigehen.

Vielen Dank an Sophia Farago für die das Interview!

72dpi_Farago_Digmore_ParkVon der Autorin sind im Dryas Verlag die Bücher „Das Geheimnis von Digmore Park“ und „Der Heiratsplan“ erschienen, beides genau das Richtige für Regency-Fans. Und für November 2016 ist bereits der nächste Roman geplant mit dem Titel „Verlobung wider Willen“, so viel sei schon verraten.

Rezension: „Der Tod kommt nach Pemberley“

PemberleyAutor: P.D. James. Erschienen im Droemer Verlag (http://www.droemer-knaur.de/), Hardcover (ISBN 978-3-426-19962-6), Taschenbuch (ISBN 978-3-426-30413-6) oder E-Book (ISBN 978-3-426-41906-9). Übersetzt von Michaela Grabinger.

Erster Satz: Unter der weiblichen Bewohnerschaft von Meryton herrschte Einvernehmen darüber, dass Mr. und Mrs. Bennet von Longbourn bei der Verheiratung von vieren ihrer fünf Töchter Glück gehabt hatten.

Schon der erste Satz zeigt es deutlich: In diesem Buch weht durch jede Seite der Geist von Jane Austen. Die Autorin hat hier kein leichtes Erbe angetreten – aber Hut ab, es ist ihr gelungen.

Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy heiraten und ziehen in Darcys Landsitz Pemberley. So endet „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Und wie bei vielen Liebesgeschichten ist auch diese damit erzählt. Dachte Jane Austen. Aber eine nicht unbekannte Krimi-Autorin, Phyllis Dorothy James, Baroness James of Holland Park und Schöpferin von Commander Adam Dalgliesh („Ein Spiel zuviel“), wollte den beiden die Ruhe nicht gönnen. Und so geraten Mr. und Mrs. Darcy in die Ermittlungen eines Mordfalls. Im Park von Pemberley geschieht ein Mord. Der Hauptverdächtige ist Wickham. Genau, ebendieser Wickham, der sich bereits in „Stolz und Vorurteil“ nicht gerade positiv hervortut, als er erst die Schwester von Darcy entführen will und es ihm dann mit der Schwester von Elizabeth auch gelingt.

P.D. James ist es großartig gelungen, den Faden wieder aufzunehmen. Auch wenn es sich bei ihrem Roman um einen Krimi und nicht um eine Liebesgeschichte handelt, so nehmen doch auch hier die gesellschaftlichen Gepflogenheiten und deren Befolgung oder Missachtung den wichtigsten Platz ein. Wie geht man gesellschaftlich damit um, dass auf dem eigenen Grundstück ein Mord passiert ist? Was bedeutet das für die Freunde und Angehörigen? Was für die Dienerschaft? Im Buch wird im Detail eine Gesellschaft beschrieben, in der jeder seinen Platz hat und man sich nie allein definiert, sondern immer nur anhand der Rolle, die man im Gesamtgefüge spielt.

Der Roman der im Jahre 2014 verstorbenen Autorin entstand 2011. Und ohne irgendwelche Einschränkungen kann man sagen, dass sie Ton und Stimmung perfekt getroffen hat. Ob es vielleicht interessant gewesen wäre, dem Ganzen einen moderneren Ansatz zu geben, ist fraglich. Denn offensichtlich war dies nicht die Absicht der Autorin, und daher liest sich das Buch genauso klassisch wie ein Werk von Jane Austen.

Fazit: Ein absolutes Muss für Jane-Austen-Fans! Wer deren Stil nicht mag oder „Stolz und Vorteil“ nicht kennt, wird weniger Freude damit haben.

Leseprobe unter: http://www.droemer-knaur.de/buch/7985714/der-tod-kommt-nach-pemberley