Rezension: „Heute dreimal ins Polarmeer gefallen“


cover_polarmeerAutor: Arthur Conan Doyle. Übersetzt von Alexander Pechmann. Erschienen im mare Verlag (http://www.mare.de/), Hardcover mit Schutzumschlag (ISBN 978-3-86648-209-8).

Erster Satz: „An einem Nachmittag im März 1880 beschloss ein junger Medizinstudent namens Arthur Conan Doyle spontan, sein Studium zu unterbrechen und als Schiffsarzt auf einem Arktis-Walfänger anzuheuern.“

Bevor Arthur Conan Doyle als Autor der Sherlock-Holmes-Reihe weltberühmt wurde, studierte er Medizin in Edinburgh. Neugierig beschloss er eines Tages, sich als Schiffsarzt auf einem Walfangboot anwerben zu lassen. Die Crew war froh, überhaupt einen Arzt an Bord zu haben, auch wenn dieser noch nicht fertig ausgebildet war. Für Conan Doyle wurde die sechs Monate dauernde Fahrt zu einem großen Abenteuer, bei dem er seine Eindrücke und Erlebnisse detailliert in einem Tagebuch festhielt.

Die nun vorliegende erste Übersetzung ins Deutsche des Tagesbuchs seiner Arktisfahrt liest sich selbst wie ein Abenteuerroman. Doyle erzählt von der Suche nach Walen und der Konkurrenz zwischen den Walfangbooten, von Robbenjagden und seiner Meeresschnecke „John Thomas“, die er in einem Gurkenglas hielt, von Boxkämpfen mit der Besatzung und seinem Problem, auf vereisten Schiffsplanken zu laufen – was ihm den Spitznamen „Eisvogel“ einbrachte, da er regelmäßig ins Wasser fiel.

Das Buch ist genau das Richtige für Bibliophile. Die Ausstattung ist wunderschön mit Leineneinband, Lesebändchen, Schuber und vielen Faksimilie-Seiten des Originaltagebuchs im Inneren.

Inhaltlich ist es ein Buch für alle, die von der durchaus skurrilen Persönlichkeit Conan Doyles fasziniert sind, für Liebhaber von Schifffahrtsabenteuern und für all diejenigen, die das 19. Jahrhundert als Epoche interessiert.

Fazit: Das Tagebuch eines schillernden Autors übersetzt für Bewunderer Conan Doyles und alle, die gerne Abenteuergeschichten zur See im 19. Jahrhundert lesen.

Leseprobe: http://www.mare.de/files/mare_doyle_polarmeer_lp.pdf

Rezension „Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper“

Marley_Inspector_Swanson_Ripper_RGB_72dpiAutor: Robert C. Marley. Erschienen im Dryas Verlag (www.dryas.de), als Taschenbuch (ISBN: 978-3-940855-59-6) und E-Book (ISBN: 978-3-941408-80-7).

Der erste Satz: Mr. John Saunders Reeves krempelte die abgewetzten Ärmel seines fadenscheinigen blauen Hemds herunter und stand vom Küchentisch auf.

Im zweiten Band der Reihe um Chief Inspector Donald Swanson trifft dieser nun seine Nemesis, den „Whitechapel-Mörder“, besser bekannt als „Jack the Ripper“. Der Roman beruht auf Tatsachen, denn es war wirklich Inspector Swanson, der 1888 die Ermittlungen in diesem Fall führte und die unterschiedlichsten Hypothesen rund um die Morde prüfen musste. So ist dieser Roman sowohl ein spannender Krimi als auch eine Beschreibung der historischen Ermittlungsarbeit. Bereits 1888 hatte jeder, der etwas auf sich hielt, seine eigene Erklärung für die Morde – und Swanson wurde wohl oder übel damit konfrontiert. Auch mit Thesen wie der des entflohenen Orang-Utans, der für die Taten verantwortlich sein sollte. So haarsträubend das auch klingt, dies war das tatsächlich eine der Spekulationen, die damals angestellt wurden.

Was diesen Roman besonders macht, sind die wunderbar in die Handlung eingewebten historischen Details. Sie erwecken die Epoche mühelos zum Leben und lassen den Leser in die Ermittlungen eintauchen. Wie zum Beispiel der Platzmangel in der noch relativ neuen Behörde Scotland Yard kurz vor ihrem Umzug in ein größeres Gebäude. Die Akten stapeln sich auf der Treppe, in den freien Ecken sitzen Constabler und arbeiten oder ruhen sich vom Dienst aus. Egal ob Besenkammer oder Toilette, alles wird zum Büro umfunktioniert. Und dazu kommt noch eine neue Abteilung, die Spurensicherung, mit ihren von den Kollegen skeptisch beäugten modernen Methoden.

Auch heute noch werden in schöner Regelmäßigkeit Thesen veröffentlicht, wer denn nun Jack the Ripper gewesen sein mochte. Doch bisher gibt es keine, die allen Gegenargumenten standgehalten hätte – außer vielleicht die des Autors Robert C. Marley, seit langem Mitglied der Jack the Ripper Society, die sich der Lösung dieses Falles widmet.

 

Fazit: Ein Krimi zum Eintauchen in einen komplexen Fall und eine spannende Epoche.

Rezension: Teufelsgrinsen

cover_teufelsgrinsenAutorin: Annelie Wendeberg. Erschienen bei Kiepenheuer und Witsch (www.kiwi-verlag.de), ISBN Taschenbuch 978-3-462-04643-4,ISBN E-Book 978-3-462-30772-6

Der erste Satz: Endlich finde ich die Ruhe, das niederzuschreiben, was enthüllt werden muss.

Um Ende des 19. Jahrhunderts in London als Arzt anerkannt zu werden, übt Anna Kronberg den Beruf als Mann verkleidet aus. Als Dr. Anton Kronberg, angesehener Epidemiologe, wird sie zu einem rätselhaften Leichenfund gerufen – und trifft dort auf Sherlock Holmes. Holmes durchschaut ihre Verkleidung und ist fasziniert von ihrem messerscharfen Verstand. Gemeinsam beginnen sie zu ermitteln und gehen sich gegenseitig sehr wohl auf die Nerven, was zu witzigen Dialogen führt. Schlussendlich siegt aber der gegenseitige Respekt.

Der Fall ist spannend, das Buch gewinnt aber vor allem durch die Figurenkonstellation – zwei sehr spröde, brillante Köpfe, die nur gemeinsam weiterkommen, aber eigentlich am liebsten allein arbeiten. Was mich persönlich am Anfang lange hat zögern lassen, das Buch in die Hand zu nehmen, ist das inzwischen schon sehr oft gebrauchte Motiv der Frau, die sich als Mann verkleiden muss, um in der Männergesellschaft zu bestehen. Das ist aber Geschmackssache, und so, wie es in die Geschichte integriert ist, ist es glaubwürdig.

Sehr viel schwieriger war die Aufgabe, die sich die Autorin gestellt hat, indem sie zwei so ähnliche Charaktere zu Hauptfiguren machte – Anna und Sherlock, zwei intelligente, aber sehr eigenwillige Figuren. Wunderbar gelöst hat sie das Problem jedoch dadurch, dass sich beide mit ihrer jeweiligen Art, die der eigenen ja sehr ähnlich ist, auf die Nerven fallen. Eine sehr schöne Idee, die überaus gut funktioniert.

„Teufelsgrinsen“ war nicht der letzte Fall des Duos, Teil zwei ist bereits unter dem Titel „Tiefer Fall“ erschienen.

Fazit: Eine gut erzählte Geschichte, die von dem Ermittlerduo lebt. Das Motiv, der Frau, die sich als Mann verkleidet, um beruflich weiter zu kommen, ist zwar nicht neu, aber sehr lesenswert umgesetzt.