Perspektivlos glücklich

mops_gluecklichDer Mops hat, wie alle Hunde, kein Zeitempfinden und schon gar keinen Sinn für Perspektive. Ihm zu sagen, dass er, wenn er jetzt fünf Minuten in der Warteschlange bei der Post in keiner fremden Einkaufstasche schnüffelt, nachher ein Steak bekommt, ist sinnlos. So weit im Voraus denkt er nicht. Zwar versteht er sehr wohl, dass es für bestimmte Handlungen eine Belohnung gibt, die muss aber innerhalb der nächsten drei Sekunden nach der Tat erfolgen, sonst weiß er nicht mehr, warum er sie bekommt. Erfolgt die Belohnung zu spät, denkt der Mops, er wird fürs pure Dasein belobigt – was für ihn auch akzeptabel ist und zu einem nicht unbeträchtlichen Selbstbewusstsein führt.

Der Nachteil dieser Perspektivlosigkeit liegt auf der Hand – geplant und vorgesorgt wird nicht. Würde man den Mops mit einem Eimer Fressen drei Monate alleine lassen, wäre er am Ende verhungert, da er am ersten Tag alles gefressen hätte. Es soll Hunde geben, die sich das besser einteilen können – der Mops kann es nicht. Fressen muss sofort vernichtet werden, selbst wenn es noch in Plastikfolie eingeschweißt ist, das stört ihn herzlich wenig.

Aber auch der Vorteil dieser Einstellung liegt auf der Hand. Was jetzt passiert, ist einfach nur toll. Fressen zu bekommen ist großartig. Egal, ob es in ein paar Stunden wieder etwas geben wird, was ihm vielleicht noch viel besser schmeckt, das, was jetzt in seinem Napf liegt, ist jetzt sensationell. Gekrault zu werden ist klasse. Und zwar jetzt sofort. Ebenso mit anderen Hunden zu spielen. Sofort, und nicht erst, wenn wir auf der Wiese sind. Warten ist eine völlig unnütze Tätigkeit.

Ein bisschen neidisch kann einen dieses perspektivlose Glück schon machen. Gerade genießt man noch den Abend mit Freunden und sorgt sich schon wieder darum, am nächsten Tag nicht rechtzeitig aus dem Bett zu kommen. Einfach mal das Präsens genießen und nicht ans Futur denken, ist sicher einer der häufigsten Ratgebersprüche – aber wie viele dieser klugen Gedanken nicht so einfach umzusetzen. Außer für den Mops, der gerade, völlig erschöpft von seinem Glück, tief und fest schläft.

Blick in die Zukunft des Internet oder: Was lesen wir beim Autofahren?

Passend zum langsam nahenden Jahresende wurde am vergangenen Mittwoch auf dem Future Internet Kongress in Frankfurt (http://www.future-internet-kongress.de) ein Blick in die Zukunft gewagt – und zwar in die Zukunft des Internet. Auf der Agenda standen unter anderem Vorträge von Markus Beckedahl von Netzpolitik.org (http://www.netzpolitik.org), Frank Riemensperger von Accenture (http://www.accenture.com/), Holm Friebe, Zentrale Intelligenz Agentur (http://zentrale-intelligenz-agentur.de/), Prof. Dr. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (https://www.sit.fraunhofer.de/), und Jens Redmer von Google (http://www.google.de). Gesprochen wurde hauptsächlich über Datensicherheit, Big Data, und immer wieder ging es um das Google Car, das selbst fahrende Auto, entwickelt von Google.

Das selbstfahrende Auto. Bild: Google
Bild: Google

Gerade Letzteres regt zu spannenden Überlegungen zum Thema „Inhalt und Form“ an. Denn Google baut kein Auto, weil der Konzern nun unbedingt in die Automobilindustrie einsteigen will. Google baut ein Auto, um, wie Herr Redmer sinngemäß meinte, das Leben der Menschen zu verbessern. Oder, um es ähnlich wie Herr Riemensperger zu erklären: Google baut ein Auto, das selbst fährt, damit die Menschen in der Zeit, die sie dadurch gewinnen, ihr Auto nicht mehr selbst zu steuern brauchen und stattdessen Dinge konsumieren können. Eine Aussage, der nicht widersprochen wurde.

Und warum hat das jetzt etwas mit Inhalten und deren Form zu tun? Natürlich wird das Auto einen großen Bildschirm beinhalten, und auf dem könnte man unter anderem auch lesen. Da stelle ich mir die Tageszeitung vor: kurze Nachrichten mit Bildern und Videos, und das auf dem Weg zur Arbeit! Und wie wäre es mit Mails checken? Einen Roman lesen? Kurzgeschichten vielleicht? Mit Hörbuchelementen? Oder doch etwas ganz anderes? Schwer zu sagen, denn noch ist diese Zukunft ein Stückchen weit entfernt.